Gelassenheit und das Flexibilitätsmonster – Fahrradsattelphilosophie Eoisode 2

Ich weiß ja nicht, wie es um Dich steht, aber ich wünschte mir in meinem Leben oftmals viel mehr Gelassenheit. Nicht selten im Leben mischt sich Nervosität in Situationen, die mich dazu bringen mich selbst geringzuschätzen, meine Handlungen im Vorhinein negativ zu bewerten oder in Hektik simple Dinge nicht auf die Reihe zu kriegen. Zutaten, die das Leben definitiv nicht besser machen. Warum also eine Radfahrt nicht dazu nutzen, sich in Gelassenheit zu üben und meinen Blog mal mit Reiseempfehlungen anzureichern? Viel Spass mit dem zweiten Beitrag meiner Fahrradtour Reihe.

Gelassenheit…

Manche Momente im Leben sind offensichtlich ziemlich cool. Zum Beispiel für mich, wenn ich nach einer langen Radfahrt, bei der ich von der Sonne den lieben langen Tag lang gut durchgegrillt wurde und mit dem Fahrrad am Pub ankomme (dem einzigen in der Welt, der sich innerhalb eines Steinkreises befindet) und ich mir ein Guinness und eine kleine Portion Pommes gönnen kann.

Andere Momente sind wiederum sogar überhaupt nicht offensichtlich und können eigentlich noch viel besser, als ihre offensichtlichen Pendants sein. So wie mein Erlebnis am Morgen nach dem Aufenthalt in Avebury.


Ich fand eine tolle Möglichkeit um auf einem Hügel in der Nähe von Avebury mein Zelt aufzuschlagen, wo ich die Nacht verbrachte. Der Morgen begann erstmal auch wunderprächtig. Ich fühlte mich gut erholt und durfte beim Abbau meines Zeltes sogar bestaunen, wie gerade ein bunter Heißluftballon Startbereit gemacht wurde. Nothing to complain about that ?

Doch dann war die Luft raus! Sprich, mein Vorderrad hatte einen platten Reifen und zur Bestätigung von Murphy`s Gesetz, war es natürlich Sonntag früh um 8 Uhr. Auf die Hilfe eines Fahrradladens brauchte ich trotz der in UK üblichen liberalen Öffnungszeiten nicht zu hoffen. Ich war mir immerhin schon im Vorhinein bewusst, dass dies passieren könnte. Dennoch habe ich keine wirklichen Vorkehrungen getroffen. Du fragst Dich vielleicht warum? Ist das nicht Leichtsinnig, oder gar blöd von mir?

Kann man vielleicht so sehen. Wenn ich Flickzeug und eine Fahrradpumpe dabeigehabt hätte, hätte ich vielleicht mein Problem einigermaßen schnell regeln können. Wie hätte ich mich aber gefühlt, als mir das Problem aufgefallen ist? Vielleicht verärgert? Wäre ich überhaupt dankbar gewesen, dass ich immerhin ein Reparatur kit dabeihatte?

Aber, nur weil ich nicht materiell vorbereitet war, heißt es, dass ich wirklich unvorbereitet war. Deutlich macht dies mein platter Reifen am Morgen.

…und das Flexiblitätsmonster

Ein wesentlicher Teil meines kleinen Experiments war es, mich möglichen Problemen auf der Reise auszusetzten, da man heutzutage fast alle Unannehmlichkeiten wegkosumieren kann und häfig gar nicht mehr nach eigenen Lösungen sucht. Einige Interessante Situationen kamen dadurch zustande und halfen mir dabei Selbstbewusstsein aufzubauen und Gelassenheit zu üben und einfach mal das Flexibilitätsmonster heraufzubeschwören.

Der beste Weg ein Problem zu lösen ist zuallererst das Problem zu erkennen und anzuerkennen. Kein Klagen oder Jammern hilft. Das weiß jeder, aber wie oft erwischt man sich letztlich doch dabei, über Murphy und sein dämliches Gesetz zu ärgern. Ich nahm dieses Mal ganz bewusst meine Situation an und machte mich zu Fuß, noch ohne zu wissen wohin, auf den Weg zur Lösung meines Problems und schon nach wenigen Metern kam mir ein erster Glücksgedanke. Nämlich, dass nach den Strapazen des Vortages mein Hintern gerade recht glücklich darüber ist, nicht schon so früh wieder malträtiert zu werden und die Verantwortung der Fortbewegung für die nächste Zeit meinen Füßen übertragen wird. Ich fand, die Pause hatte er sich tatsächlich verdient und musste in mich hineingrinsen.

Schon nach nur wenigen Kilometern entspanntem, morgentlichen Spazierengehens aud dem ruhigen Straßenrand bei Sonnenschein und noch angenehmen Temperaturen begegnete ich zwei Radfahrern, die ich um Hilfe fragte. Sie konnten mir nicht dabei helfen, das Rad aufzupumpen, aber immerhin hatte ich nun schon recht schnell ein Reparatur kit zur Hand. Nach kurzer Unterhaltung begaben beide sich wieder auf ihre Trainingseinheit und haben schon am frühen Morgen einen Menschen mit wenig Einsatz viel Glück beschert. Ich lief weiter.

“Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten den du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.”

Zitat Hermann Hesse

Ich wollte an einem Sonntagmorgen nirgends schon um 8 Uhr klingeln, deshalb war meine Strategie, dass ich diejenigen Menschen um Hilfe frage, die sich schon in ihrem Garten aufhalten und meine Strategie sollte schon sehr bald aufgehen, denn schon im nächstem Ort am ersten Haus traf ich auf Carol.

Ich erklärte ihr meine Situation und wurde zu ihr auf den Hof eingeladen um mich um mein Fahrrad zu kümmern. Sie erfreute sich sogar an meinem Anliegen, einerseits wegen meinem recht ungewöhnlichen Vorhaben und andererseits, weil sie sichtbar Freude dabei hatte jemanden helfen zu können und ihre eigenen Erinnerungen zum Thema Reifenreparatur abzurufen. Eine Schüssel mit Wasser, Kreide (die dort in ihrem Garten in der Erde vorhanden ist), Werkzeug und eine Luftpumpe waren somit schnell zur Verfügung gestellt. Ich hatte alles was ich benötigte.

Dabei blieb es aber nicht, denn ich wurde obendrein noch gefragt, ob ich mir Kaffee und ein Sandwich wünschte. Ich bin jemand, der sich schwertut, solche Angebote anzunehmen, obwohl das exakt das ist, was ich ebenfalls immer tue – nämlich gastfreundlich sein. Mir schossen auch schnell die Gedanken durch den Kopf, dass ich mich oft selbst frage; warum so viele Menschen Gastfreundlichkeit zwar schätzen, aber nur selten annehmen? Deshalb gab ich mir einen Ruck, bedankte mich und bejahte zögerlich das nette Angebot.

Meine Reparatur ging ich konzentriert und in Ruhe an und war ziemlich schnell fertig damit, sodass ich sogar noch den Übeltäter im Reifen gefunden habe, der das Loch im Schlauch verursacht hatte. Ein winzig kleiner Gegenstand, den ich bei hektischem Umgang ganz schnell gar nicht wahrgenommen hätte und der mir vermutlich einen neuen Schaden hätte einbringen können.

Ich ließ die weiteren 30 Meilen Fahrt bis zum Stonehenge mal eine Zeit lang warten, um mich mit Carol zu unterhalten. Wir hatten tolle Gespräche über Familie, Gesellschaft und noch mehr. Das liebevoll gemachte Frühstück habe ich genossen und konnte meine Reise mit einer schönen Geschichte über Nächstenliebe, Zufälle und die wirklich Wichtigen Dinge im Leben fortführen.

Stolz und übertriebene Höflichkeit hätten mich beinahe darum beraubt.

Reflexionsfrage: Wie gelassen schätzt Du Dich ein?

Teile doch in den Kommentaren mit, in welchen Situationen Du gelassener bist als viele andere und welche Situationen Du Dich widerum schwer tust gelassen zu bleiben.Und falls du neugierig geworden bist, was es mit Avebury auf sich hat, dann schau dir doch noch das Stimmungsvolle Video dazu an.

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