Pärchen Rückzug

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Warum es nicht nur im Kamin knistern soll


Es gibt unzählige Tipps und Ratschläge, wie man eine lange und glückliche Beziehung pflegt. Lies in diesem Beitrag etwas über meine eigenen Erfahrungen von einem ganz besonderem Wochenende die auch deine Beziehung auf ein neues Level heben kann

Kurz vor Ende des letzen Jahres bin ich auf eine Idee gestoßen, die mich neugierig machte. Ideen gibt es eigentlich draußen in der Welt ja eine vornehmliche Menge, doch sie taugen nur meistens nichts – meistens, weil wir sie nicht umsetzen.

Ich bin mit meiner Frau mittlerweile 11 Jahre verheiratet und ich darf vielleicht sagen, dass 11 Jahre Ehe heutzutage ja schon fast rekordverdächtig lang erscheinen lässt. Wie machen wir das, fragt uns so mancher und bezweifelt, dass wir überhaupt noch wirklich glücklich miteinander sein können.

Es hat sich vieles geändert, nicht nur unser Alter. Wir haben eine Tochter dazugewonnen. Wir haben private, wie berufliche Veränderungen allein und gemeinsam durchgemacht. Sind ein paar Male umgezogen und meistens haben wir an einem Strang gezogen, doch, manchmal haben wir auch an unterschiedlichen Seiten des Seiles gezogen und sind bisher immer trotzdem zusammengewachsen.

Es erscheinen auch Dinge, die, sagen wir, eher zur Kategorie unerwünscht gehören. Was tun? Wegschweigen, denn es wird schon alles gut? Ansprechen und vielleicht in einem Streit enden? Es gibt keine klare Antwort dazu, aber ich möchte dieses Mal von einem kleinen persönlichen Ereignis berichten, dem „Couple Retreat“ – zu Deutsch: Paarrückzug.

Einsam oder gemeinsam?

Klar, es gibt viele Paarbeziehungen, die wesentlich länger bestehen, als die, zwischen mir und meiner Frau. Ich will auch gar nicht als Paar Berater an dieser Stelle erscheinen, denn in der Position fühle ich mich nun wirklich nicht. Doch ich lerne gerne von anderen Paaren und teile deswegen auch gerne eigene Erfahrungen.

Liebesgeschichten enden leider oft; nachdem anfangs der Himmel auf Erden erscheint, kehrt bald schnöder Alltag ein und Versprechungen verlaufen sich im Sand. Wo ist plötzlich diese Anziehungskraft geblieben? Die individuellen Bedürfnisse werden stärker und der Partner ist auf einmal nicht mehr so aufmerksam.

Bestimmt ist eine Trennung richtig, wenn sich eine Beziehung nicht weiterentwickelt, oder gar psychische, oder körperliche Gewalt eine Rolle spielt. Doch, wie viele Paare entwickeln letztlich aktiv ihre Beziehungen weiter? Vermutlich gar nicht so viele.

Der Ursprung und die Idee

Vor 2 Jahren bin ich auf den Bestseller in Sachen Selbstmanagement The One Thing gestoßen. Mittlerweile gibt es einen Podcast dazu und auf der Webseite findet man eine Menge kostenloses Arbeitsmaterial. Das Buch gibt es inzwischen auch in deutscher Sprache, das Material ist bisher nur auf Englisch erhältlich, aber es gibt auch in Deutschland eine große Gemeinschaft. Da passiert sicher noch einiges.

Beim Podcast bin ich dann Ende letzten Jahres auf das Thema Couple-Retreat gestoßen. Die passende Folge auf Englisch findest du beim 1thing.com-Podcast (Folge 173).

Eine ähnliche Idee hatte ich sowieso schon im Kopf und als meine Frau nach Hause kam berichtete ich ihr sofort von der Idee und bat sie darum so etwas mit mir umzusetzen. Gerade im letzten Jahr haben wir wieder viel mehr für unsere Beziehung getan. Eine perfekte Möglichkeit auf diesem Grundgerüst aufzubauen.

Nägel mit Köpfen

Als ich meine Frau um das Couple-Retreat gebeten habe, war die gleich recht davon angetan, obgleich sie sich nicht sofort das gleiche darunter vorgestellt hat, wie ich es plante. Aber allein der Gedanke, dass wir beide mal wieder ganz für uns sind, brachte sie dazu, sofort mit in mein Boot zu steigen.

Ruf deine Mutter doch sofort an.

Wir überlegten, wie es denn möglich sein könnte. Allein, für ein paar Tage unterwegs sein ist für uns mit Kind nicht einfach, weil keine Verwandtschaft in der Nähe wohnt. Was käme also in Betracht? Wir spielten einige Gedanken durch und sahen viele Schwierigkeiten die freien Tage zu bekommen.

Wir wollten aber unbedingt, dass uns der Plan nicht durch die Finger gleitet. Ich spielte, unter anderem, mit dem Gedanken meine Mutter aus Deutschland einen Flug zu buchen. Doch das würde sicher nicht so einfach gelingen, dachte ich. Meine Frau blieb energisch und sagte: „Ruf doch deine Mutter sofort an.“

Mir, beziehungsweise uns, war das Wichtigste, dass wir sicherstellen den Termin im Januar definitiv zu haben. Die Frage war also, was können wir tun, damit alles Andere leichter fällt, oder überflüssig macht? Es gab schließlich eine Menge Bedenken in meinem Gedankenkarussell, was alles dagegenspricht, sodass unser Termin letztlich vielleicht ins Wasser fällt.

Die Antwort war klar: Wir brauchten einen Termin, damit wir weiter planen konnten, diesen konnten wir nur dann haben, wenn für die Betreuung unserer Tochter gesorgt war.

Die Aufforderung meiner Frau war der große Initiator und wider Erwarten war die Terminfindung schneller und einfacher als ich angenommen habe. Innerhalb von wenigen Minuten war nicht nur der Termin gefunden, sondern sogar der Flug gebucht. Damit hatten wir unseren Plan gesichert und haben uns verbindlich gemacht es wirklich auch umzusetzen. Alle weiteren Dinge, wie Ort, Unterkunft waren nun viel einfacher umzusetzen. In diesem Fall haben wir das Prinzip von The One Thing perfekt gelebt. Vom 25.-29. Januar 2019 hatten wir unser Couple-Retreat.

Der perfekte Partner

Gibt es den perfekten Partner? Lange sucht man und dann ist da plötzlich, du weißt schon, Lepidoptera im Abdomen und so. Es ist um zwei Menschen geschehen und so wird es für immer bleiben. Oder doch nicht? Rationell kann man Liebe wohl eher nicht denken, und ich glaube es ist auch nicht ratsam eine Liebesbeziehung rein zweckmäßig zu bewerten.

Nach einer Weile Schmetterlinge im Bauch verschwindet bei vielen dann das Gefühl, und mehr und mehr Dinge kommen zum Vorschein, die erst mal nicht besonders romantisch erscheinen. Doch, fragt man Paare, die sehr lange zusammen sind und trotzdem glücklich sind, warum sie eigentlich so lange glücklich miteinander leben, dann sind es oft gar nicht die Dinge, die den Partner perfekt machen. Vielmehr schätzen sie es, jemand ganz und gar nicht Perfektes an der Seite zu haben und verurteilen ihn nicht dafür. Jemand, der so normal ist, wie man selbst und eben gleichermaßen seine Eigenheiten hat.

Meine Frau liebe ich nicht dafür, dass sie immer perfekt für mich erscheint und sich für mich verstellt. Ich liebe sie insbesondere deshalb und anders als noch vor 11 Jahren, weil zwischen uns viele kleine Geheimnisse sind, von denen niemand außerhalb unserer Beziehung weiß, und weil sie es zulässt mich in ihr Leben zu lassen, auch mit all meinen Fehlern.

Der perfekte Ort – weit, weit weg

Was man für perfekt empfindet, ist natürlich Geschmackssache. Für uns war dieser Ort eine kleine Hütte in Snowdonia. Um sich auf die zwei Tage zu fokussieren, hat es uns geholfen weit weg von Ablenkungen zu sein. Einziges Entertainment war für uns ein loderndes Feuer im Kamin und Spaziergänge.

Anders als im Plan vom The One Thing – Couple Retreat, haben wir den ersten Tag vollständig genutzt, um unsere Köpfe komplett freizubekommen. Dazu benötigten wir erstmal viel frische Luft und eine körperliche Herausforderung: die Besteigung des Berges Snowdon.

Die Wetterbedingungen waren sehr bescheiden. Einen großartigen Ausblick würden wir nicht haben, das war im Vorhinein schon klar. Wir ließen uns einzig darauf ein, die Situation zu genießen, so wie sie mit Wind und Regen gegeben war.

Was wäre der perfekte Ort für Dich und deinen Partner und wie sorgt er dafür, dass ihr euch miteinander noch mehr verbindet?

Es knistert, nicht nur im Kamin

Gemeinsam Pläne schmieden hat Spaß gemacht und bringt uns sicher weiter, doch noch wichtiger war für mich, die Beziehung zwischen mir und meiner Frau in diesen Stunden zu stärken. Wir haben uns einen kompletten Tag von morgens bis abends unterhalten. Wann hast du dich das letzte Mal für so lange Zeit mit nur einem Menschen, den du liebst, unterhalten?

Bevor wir uns den Fragebogen angenommen haben, war es mir wichtig, die vielen Dinge anzusprechen, die im Alltag untergegangen sind. Sei es, aus emotionalem Grund, oder weil man wegen der vielen Verbindlichkeiten dazu nicht in der Lage war. Zeit, sich nicht nur oberflächliche Komplimente zuzusprechen, sondern darüber, was unsere Beziehung so wertvoll macht. Aber auch, welche Probleme oder Bedenken man hat.

Dieser Teil unseres Termins war sehr bewegend. Was da aus meinem Mund kam, hat mich teils selbst überrascht. Der unvorbelastete Raum gab uns viel Freiheit, um außerordentlich offen sprechen zu können.

Das eigentliche Ziele setzten konnten wir bei unserem ersten Mal noch gar nicht in der kurzen Zeit unterbringen, doch wir haben eine ganze Menge ausgearbeitet, das wir nun auch besser im Alltag einbringen können. Die Motivation bleibt hoch.

Unsere gemeinsamen Pläne für das kommende Jahr geben uns eine Richtung und helfen uns jetzt schon dabei uns besser abzustimmen, doch was für mich am Meisten hervorsticht, ist die Feststellung, wie innig und tief unsere Beziehung schon ist und wie sie sich über die Zeit immer weiter verfestigt.

Im Alltag zwischen Verbindlichkeiten und Zwängen verblasst das leider viel zu schnell. Wir haben ein gemeinsames Zeil, über das wir nie diskutieren müssen. Wir wollen zusammenhalten, wie versprochen, in Guten, wie in schlechten Zeiten. Die Guten sind einfach, die schlechten Zeiten sind die, wo wir unseren waren Charakter zeigen, und worauf es ankommt. An diesem messen wir uns stetig.

Zusammenfassung unserer Erfahrungen

Der nächste Rückzug bei uns ist schon geplant. Und deiner? Hier meine Erfahrungen und Empfehlungen, die ich weitergeben möchte:

  • Das Couple Retreat ist nicht nur für Paare, die vielleicht Probleme in der Beziehung haben, sondern besonders geeignet für Paare, die stetig ihre Beziehung vertiefen und verbessern wollen.
  • Erst der Termin, dann das Drumherum: Bevor du irgendetwas recherchierst, oder planst, blocke einen Termin mit deinem Partner im Kalender. Alles andere wird darum geplant. Damit hält man sich die Optionen zwar enger, aber dafür wird der Termin definitiv eingehalten.Im folgenden Jahr kann man die Learnings immer noch umsetzen.
  • Schaffe Raum, um die Köpfe freizubekommen. Vergiss den Alltag und alle damit verbundenen Verpflichtungen einmal komplett. Lasse nur Gedanken zu, die dazu dienen mit deinem Partner die Zukunft zu gestalten.
  • Die Beziehung zwischen meiner Frau und mir ist nicht „einfach so“ stark, weil alles perfekt ist, sondern weil wir daran stetig arbeiten. Neue Reize helfen dabei, die Beziehung weiterzuentwickeln.
  • Ein Retreat bietet die Möglichkeit den Kopf von Gefühlsmüll zu entleeren …
  • … und mit Liebe zu säen
  • Alle wollen die Welt ändern und keiner tut es? Ähnlich sieht es bei Beziehungen aus, auch eine bestehende Beziehung ist änderbar und machbar mit Verantwortung

Ich werde die Idee weiter teilen, da sie meine Beziehung enorm bereichert hat. Bist du in einer Beziehung oder kennst Paare, die davon profitieren können? Dann teil auch du die Idee.

Woran misst du deine Beziehungen, egal, ob mit dem Partner, Kind, Verwandtschaft, oder wichtigen Freundschaften?

Schreib mir einen Kommentar, was du tust, um deine Beziehungen zu pflegen

Lebe sinnvoll,

Björn

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