Empathie-Post: Wie du dein Leben moderierst

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Hallo beim wöchentlichen Update von der Empathie-Lounge, dem Übungsplatz für gelingende Kommunikation. Letzten Samstag erforschten wir mit 8 engagierten Teilnehmer/innen Gefühle und Wahrnehmungen im zwischenmenschlichen Umgang.

Im Nachhinein beschäftigten mich Gedanken zu Dynamiken in Gruppen und wie es möglich ist, Rücksichtnahme und Selbstwirksamkeit in Einklang zu bringen. Dieser Beitrag bietet ein paar Gedankenanregungen dazu, wie du es schaffst, in einer Gruppe gehört zu werden, aber auch Raum schenkst, damit andere sich ebenfalls gehört fühlen können.

Partystimmung oder Partyphobie?

Hast du dich schon mal auf eine Feier eines guten Freundes gefreut, doch nachdem du zu Beginn freundlich in Empfang genommen wurdest, warst du inmitten anderer Menschen auf dich allein gestellt und hast dich ausgegrenzt gefühlt? Mir fällt ein Partybesuch in Berlin ein, bei dem mir genau das passierte.

Ich bin eher introvertiert und verlasse mich gerne auf die guten, tiefgründigen Gespräche mit den Menschen, die mir vertraut sind. Fehlen diese, kann ich mich schnell unwohl und ausgegrenzt fühlen. In meinem früheren Weltbild stand dem gegenüber der andere Schlag Mensch: extrovertiert und sich stets in den Mittelpunkt drängend. Ein Vorurteil, unter dem ich mich jedoch vor allem selbst leiden ließ und anderen Unrecht gegenüber war.

Es hat mich viel Zeit gekostet und eine Menge Selbstreflexion, dass ich mich heutzutage in jeder Lage wohlfühlen kann und weiß, was ich dafür tun kann. Doch was braucht es dazu?

Gesprächsbedarf

Je mehr Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen aufeinandertreffen, desto komplexer und dynamischer werden die Wahrnehmungen und der Umgang damit, aber egal ob wir eher extrovertiert oder introvertiert sind, in beiden Fällen trägt Empathie zu gelingender Kommunikation und zufriedenstellendes Miteinander bei.

Wenn wir uns mit anderen Treffen, geht es im Prinzip immer darum, dass wir (soziale) Bedürfnisse mit anderen austauschen. Im Alltag fällt das oft schwer, weil wir mit vielen Ablenkungen zu kämpfen haben. Wie oft sind wir unseren Bedürfnissen im Alltag überhaupt bewusst und wie selten machen wir uns die Bedürfnisse unserer Mitmenschen bewusst? Genau deshalb bietet die Empathie-Lounge einen Rahmen, um verschiedene Wahrnehmungen von unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Wir treffen uns jedoch, ohne dabei auf etwas Bestimmtes hinauszuwollen. Stattdessen ist es eine gemeinsame Reise ins Ungewisse mit sehr individuellen Erkenntnissen.

Einen Termin zu besuchen, der auf nichts Bestimmtes hinauswill, wirkt für dich vermutlich auf dem ersten Blick kontraintuitiv, aber genau dabei entstehen immer wieder Situationen für neue und nachhaltige (Selbst-)Erkenntnisse. Es gab noch kein Treffen, bei dem es keine sinnvollen Erkenntnisse gegeben hat. Im Gegenteil, je weniger wir versuchten, auf etwas Bestimmtes hinauszuwollen, desto erkenntnisreicher wurde die Empathie-Lounge.

Manchmal auch erst ganz am Ende.

Moderation

„Ich hätte mir gerne mehr Moderation gewünscht.“ War der Wunsch einer Teilnehmerin am Ende des letzten Treffens. Ein nachvollziehbarer Wunsch, denn in der Empathie-Lounge trage ich als Moderator wie ein Gastgeber auf einer Party eine extra Komponente an Verantwortung, um sicherzustellen, dass sich alle Gäste wohlfühlen. Darum bemühe ich mich auch immer. Dennoch, egal wie sehr man sich als Gastgeber oder als Moderator bemüht, man kann die Verantwortung von anderen Menschen nicht mitübernehmen. Das sollten alle Beteiligten wissen, Gastgeber und Moderatoren, damit sie sich nicht verrückt machen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es geplant haben. Gäste oder Teilnehmer, damit sie sich bewusst sind, wie viel Anteil sie letztendlich auch selbst haben, welches Erlebnis sie haben.
In der Empathie-Lounge geht es mir darum, deutlich zu machen, dass Kommunikation in den allermeisten Fällen ganz ohne Moderation stattfindet. Sie ist es auch ein Übungsplatz mit Raum für und Wertschätzung für Fehler. Deshalb interveniere ich dort möglichst zurückhaltend und bemühe mich vor allem darum, dass ein sicherer und geschützter Raum vorhanden ist.

Selbstmoderation

Natürlich ist der Trial & Error Pfad nicht der einzige Weg, den du gehen kannst. Strategien können dabei helfen, schneller etwas zu verstehen. An dieser Stelle daher ein paar Empathie-Lounge Erkenntnisse, die sich häufiger wiederholen:

1) Übe dich in Selbst-Achtsamkeit und schärfe dein Selbst-Bewusstsein:

Welche Bedürfnisse hast du gerade?

Welche Erwartungen hast du gerade?

Welche Erwartungen können im gegebenen Gesprächsrahmen erfüllt werden? Ist der gesetzte Rahmen geeignet für die persönlichen Anliegen?

Warum bist du hier?

Welche Haltung nimmst du gerade in deiner Kommunikation ein (z. B. resigniert, angriffslustig, akzeptierend, engagiert, interessiert)

Macht es Sinn, deine Haltung anzupassen?

2) Übe dich im NACH-fühlen und schenke deine Aufmerksamkeit

Welche Bedürfnisse drücken die anderen Gesprächsteilnehmer aus?

Was könnte von der anderen Person unausgesprochen sein?

Hat die andere Person gerade die Kapazitäten und das Interesse, um sich meinen Anliegen öffnen zu können?

Hast du die volle Aufmerksamkeit der anderen Person, oder könnte sie gerade mit anderen Dingen beschäftigt sein?

3) NACH-fragen

Habe Mut dazu zuzugeben, nicht alles wissen zu können. Misskommunikation entsteht oft durch falsche Annahmen.

Frage lieber nach, ob deine Wahrnehmung überhaupt korrekt sein könnte. (Das ist sehr individuell, falls du mehr darüber lernen möchtest, schreibe mir einen Kommentar oder eine Nachricht)

5) “Schenke” Vertrauen

Trotz größter Bemühung können Dinge auch weiterhin unausgesprochen sein. Erwarte in einem Gespräch nicht, dass immer alles geklärt sein muss.

Erwarte nicht, dass andere dich immer vollständig verstehen, oder dass du andere vollständig verstehst. Selbst mit der größten Bemühung wird es immer auch Dinge geben, die unausgesprochen oder zurückgehalten werden.

Mach dir klar, was dir für dieses Gespräch wichtig ist und frage dich, was realistisch ist.

6) Vereinbarungen und Regelwerk

Im Beitrag: Empathie-Post: Sportliches Miteinander und Fair Play habe ich geschrieben, dass es wichtig ist, dass Kommunikation fair ist. Wenn man aber gar nicht weiß, welche Regeln überhaupt bestehen, dann sind Stress und Probleme vorprogrammiert, da jeder nur nach seinen Regeln kommuniziert, während die andere Seite sich dieser Regeln nicht einmal bewusst ist. Je nachdem, wo man sich mit einer Person gerade in der Beziehung befindet, braucht es eben auch Zeit, um sich miteinander zu einigen. Aber auch wenn Regeln schon bestehen, lohnt es sich zu überprüfen, ob alle beteiligten diesen Regeln noch folgen (wollen). Das kann in etwa wie folgt aussehen.

Teile deine Erwartungshaltung zu Beginn von Gesprächen mit. Nutze zum Beispiel Sätze wie:

Kannst du mir einen Rat geben? …

Kannst du mir bitte für einen Moment aufmerksam zuhören?

ACHTUNG: Es kann vorkommen, dass du einen Wunsch äußerst, der mit deiner Erwartungshaltung nicht im Einklang ist. Schenke deinen Worten Aufmerksamkeit. Sagen sie aus, was du von der anderen Person willst? Könnten sie anders interpretiert werden?

Grundregel: Je wichtiger dir etwas ist, desto mehr sorge dafür, dass andere auch wirklich mitbekommen, was du willst. Wenn du mehrere Anliegen hast, priorisiere und habe nicht den Anspruch, dass andere Menschen all deine Bedürfnisse erkennen und erfüllen. Stelle vor allem sicher, dass du weißt, was du willst und übernehme Verantwortung so weit wie möglich selbst.

Hier ein Beispiel, wie das aussehen kann:

Person 1 : Kannst du mir 15 Minuten deiner Zeit schenken, damit ich dir von einer Situation berichten kann? Ich brauche dazu mal deine volle Aufmerksamkeit und möchte von dir danach mal hören, was deine Wahrnehmung dazu ist (in welcher Situation könntest du diesen Satz benutzen?). Was glaubst du, würde der Satz mit dir machen? Was würdest du vielleicht anders sagen?)

Jetzt hat der Gesprächspartner den Ball zugespielt bekommen und könnte so reagieren.

Person 2 (Zuhörender): Ich muss gleich noch etwas anderes erledigen. Es scheint dir aber sehr wichtig zu sein. Ich kann dir meine volle Aufmerksamkeit für 5 Minuten geben, falls wir mehr Zeit benötigen, lass uns danach noch mal separat sprechen. Wäre das ok für dich?
(Wie würdest du dich bei einer solchen Antwort fühlen? Was würde sie mit dir machen? Könntest du sie noch besser und empathischer formulieren?)

Das klingt jetzt vielleicht etwas mechanisch, doch diese Beispiele sind nur Anregungen und ich habe keinen Anspruch auf absolute Wahrheit ihrer Wirkung. Ich hoffe, dass sie dir helfen, um deiner Wirkung bewusster zu werden und auch den Bedürfnissen anderer mehr Bedeutung zukommen zu lassen.

Es ist auch sinnvoll, am Ende von Gesprächen zu klären, ob Erwartungen erfüllt wurden, und Vereinbarungen für ein mögliches Gespräch in Zukunft zu treffen.

Versteife nicht in Strategien

Immer wieder werde ich gefragt, wie man denn mit solchen oder jenen Situationen am besten umgeht. Ich muss dann immer wieder darauf hinweisen, dass Kommunikation immer miteinander geschieht. Es gibt keine pauschale Lösung für jene oder solche Situationen. Jede Situation ist einmalig. Es geht bei der gelingenden Kommunikation nicht um Strategien, sondern vielmehr darum, dass man sich aufeinander versucht einzulassen, denn wenn das klappt, dann gelingt Kommunikation. Etwas, das man nicht oft genug tun kann, ist anderen seine Aufmerksamkeit zu schenken und zuzuhören.

Was beschäftigt dich zum Thema Kommunikation? Schreibe mir doch einen Kommentar, oder beteilige dich an der nächsten Empathie-Lounge.

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