Flowbefall – Fahrradsattelphilosophie Episode 3

Flowbefall – Fahrradsattelphilosophie Episode 3

Ich stieß auf meiner Tour auf ein Phänomen, dass auch in anderen Lebensbereichen auftaucht. Es geht um etwas, dass für große Veränderungen sorgen kann; wenn man sich dessen bewusst macht. Jeder Radfahrer, der sich längere Strecken zurücklegt wird es vermutlich in unterschiedlicher Form erleben.

Lerne deinen Floh Flow kennen

Du kennst es vielleicht auch, es gibt da ein paar Beschäftigungen, von denen Du weißt, dass Du sie gerne magst und dennoch streichst Du die Zeit dafür dennoch immer wieder aus deinem Kalender. Oftmals sind es Aktivitäten, von denen Du weißt, dass sie Dir eigentlich guttun.

Im Alltag warten an jeder Ecke fiese kleine Ablenkungen. Einige davon sind Verpflichtungen und andere wiederum tarnen sich nur als solche, um als Vorwand dazu zu dienen, die Anliegen von anderen Leuten wichtiger einzustufen als die eigenen. Vielleicht insbesondere beim Typus Mensch zu dem ich mich zähle.

Bei meiner kurzen Fahrt mit dem Rad, eine Woche nach der Stonehenge, ist mir das wieder deutlich bewusst geworden. Ich fuhr nur wenige Kilometer und dennoch verlangte die Strecke meiner Motivation einiges ab.

Ich versuche also in dem Moment ächszend meine Bewegungen und meine Gefühle während ich mir einen abstrample zu beobachten. Meine lange Stonehenge Reise ist schon einige Tage her und ich habe keine körperlichen Begleiterscheinungen deswegen mehr. Die Beine fühlen sich dennoch schwer an und die Geschwindigkeit, die ich an den Tag lege fühlt sich lahm an. So beginne ich mich daran zurückzuerinnern, warum mir das bei 400 km eigentlich so selten passierte, obwohl mein Körper viel mehr belastet wurde.

Wenn Du einen ganzen Tag nichts anderes tust, als auf deinem Fahrrad zu fahren, dann bist Du ziemlich schnell damit beschäftigt, Dich entweder mit deinen eigenen Gedanken und Erlebnissen zu beschäftigen, oder konzentrierst dich auf deine Bewegungen und dein Körpergefühl. Du hast vielleicht auch das Glück schöne Gegenden zu erkunden, aber darauf muss man sich auch erst einmal einlassen können. Bis das überhaupt der Fall bei mir war, habe ich schon mehr als die Hälfte der Strecke meiner Stonehenge Tour hinter mir gehabt, denn ich wusste ja nicht, was mich mein Ziel letztlich abverlangt und war deshalb trotz immer wieder schöner Kulissen um mich herum meistens mit mir selbst beschäftigt.

Immer wieder wurde ich nach meiner Fahrt von „nicht Bikern“ gefragt, wie es so war und viele waren erstaunt darüber, was ich so zu berichten hatte; denn es war in der Regel nicht was sie erwartet hatten. Ich erzählte davon, wie es mir überraschender Weise weniger schwer viel, als erwartet und ich eigentlich weniger Pausen benötigte, als vermutet. Abgesehen vom fehlendem Sitzfleisch und den Strapazen durch Hitze lief es insgesamt unerwartet gut und ich genoss größtenteils die Fahrt. Der Grund dafür ist für mich rückblickend, dass ich im Flowzustand war!

Wann man im Flow ist, kann sehr unterschiedlich sein. Ich persönlich brauche meistens relativ lange um hineinzukommen, kann ihn dafür in der Regel ziemlich gut halten. Das ist ein Grund, warum ich gewöhnlich nach ein paar kurzen Trainingseinheiten schon recht gute und ausdauernde Laufeinheiten absolvieren kann und mich tendenziell in Ausdauersportarten wohl fühle.

Bei der Tour zum Stonehenge war es ähnlich. Ich benötigte zu Beginn etliche Kilometer, die mir erstmal schwerfielen, aber nach etwa einer Stunde, oder etwas länger, kehrte Rhythmus ein und der Fokus verschob sich vom Wunsch nach mehr Kraft und Anstrengung zum Ausführen gleichmäßiger Bewegungsabläufe und guter Balance auf dem Rad und der Atem-Takt wurde gleichmäßiger und ruhiger. Ich benötigte gar nicht mehr so viel Kraft und hatte auch keine Motivationsprobleme mehr.

Ich beschrieb jetzt natürlich meine ganz persönlichen Erfahrungen und deine eigene Wahrnehmung kann eine andere sein. Natürlich spielen auch die persönliche körperliche Verfassung, oder andere Dinge eine Rolle. Daher achte doch einmal darauf, zu welchem Zeitpunkt du im Flow bist und versuche Dich in unterschiedlichen Aktivitäten in diesen Zustand zu begeben.

Wie auf Drogen?

Bis vor nicht allzulanger Zeit, war das Thema Meditation in hierzulande ja eher nicht so bekannt und hat erst in den letzten Jahren immer mehr AUfmerksamkeit erfahren. Nicht zuletzt, wegen immer häufiger vorkommenden Depressionen. Das Fahrradfahren kann durchaus Meditativ wirken. Die stets gleichen rhythmischen Bewegungsabläufe, die Konzentration auf die Atmung. Alles erinnert durchaus an Meditation.

Speziell wenn es der Verkehr und die Strecke hergeben, arbeitet man sich richtig schön hinein und lässt Gedanken, wie die Bäume am Wegesrand vorbeisausen. Ich beobachte das sich gleichmäßig seine Kreise drehende Zahnrad und spüre den gleichmäßigen Anschub. Ich nehme den Geruch von feucht duftenden Büschen wahr oder eine leichte Brise Luft, die mich etwas abkühlt. Ich höre das dezente Rauschen meines auf dem Asphalt rollenden Reifens. Das Geräusch der laufenden Kette und das Klicken der Gangschaltung sind Synonym von Geschwindigkeit, die sich in Anstrengung und Entschlossenheit am nächsten Hügel umwandelt. Ich befinde mich im Rausch der Sinne.

Weiter voraus

Manche Radfahrer werden ja für ihre Leistungen für verrückt gehalten, doch machen sie wirklich verrückte Dinge, oder sind sie für uns verrückt, weil wir uns gar nicht erst auf lägere Zeit gewissen Herausforderungen hingeben und aufhören, noch bevor wir überhaup in den Flow gekommen sind?

Was sind Tätigkeiten, bei denen Du Dich leicht in einen Flow begeben kannst, oder ihn besonders lange halten kannst? Hinterlasse mir doch einen Kommentar, oder schreibe mir auf Facebook.

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