Frustrationstoleranz – Die Wut und die Kraft

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Mir kam kürzlich wieder eine Unterhaltung in den Sinn, an die ich mich gerne zurückerinnere, weil es sich um ein Kompliment handelt, dass mich in besonderer Weise berührt.

Während eines Sommerspazierganges mit meiner Tochter, einer Bekannten und ihrem Sohn, wurde während die Kinder fröhlich umhertollten zu mir gesagt:

„Björn, ich frage mich immer wie du das so machst, dass du so ruhig und gelassen mit den Kindern umgehen kannst. Du strahlst immer so eine Ruhe aus.“

Das ging runter wie Öl und ist für mein Selbstwertgefühl sicher keine schlechte Sache! Meine Vergangenheit hingegen sah nämlich eher so aus: Ein kleiner schlaksiger Junge mit blondem Haar wütete durch Haus und Hof und hinterließ hier und da eine Schneise der Verwüstung. Deshalb wurde vor mir Mobiliar in Sicherheit gebracht. Der Wohnzimmertisch meiner Eltern hatte Bissspuren und tiefe Narben in der Rinde eines jungen Baumes, im Garten meiner Großeltern, durch die Hiebe meines Mini-Tomahawks, waren Zeugen meiner sich immer wieder äußernden Frustration.

Laut der Aussage dieser Bekannten ist das scheinbar mittlerweile und zum Glück etwas anders, oder wirkt gar genau gegenteilig. Wie kommt es, nun so anders wahrgenommen zu werden? Überspiele ich vielleicht einfach nur meine Gefühle? Oder zeige ich meine Wut einfach nicht mehr in der Öffentlichkeit? Mitnichten.

Meine Strategie im Umgang mit meiner eigenen Frustrationstoleranz möchte ich deshalb mit dir teilen, da es gar nicht mal eine so seltene Frage ist und nicht nur Kinder mit Ungeduld, Wut und Enttäuschungen so ihre Probleme haben. Erwachsene trifft das durchaus immernoch.

Nicht wütend sein wird ja gerne damit gleichgestellt Verhaltensweisen zu „unterdrücken“.

Aber eigentlich ist genau das Gegenteil bei mir der Fall! Ich habe nämlich als Erwachsener angefangen, erstmals überhaupt zuzulassen impulsiv zu sein, nur nutze ich die Impulsivität jetzt für mich und versuche sie nicht mehr, wie mir früher immer geraten wurde, zu unterdrücken.Auf ein Beispiel aus meinem Alltag übertragen bedeutet es, dass es mir zum Beispiel leichtfällt, einfach (impulsiv) loszulaufen, wenn ich gerade auf den Gedanken komme. Davon habe ich ja schon in meinem Beitrag OMG, mein Karma ist gesunken berichtet.

Und meine Wut? SIe zeigt sich immernoch, aber in anderer Form. Wie reagierst du eigentlich auf Menschen die Wütend sind?

Be-lohn-ungen

Wem geht es nicht so? Alle jagen irgendwelchen Belohnungen hinterher. Sei es das höhere Gehalt, oder der Preis für einen Wettbewerb.

Ich glaubte lange daran, dass mir eine App namens Endomondo dabei hilft, mich mehr um meine sportliche Aktivität zu kümmern – dies stimmte aber, wenn überhaupt, nur kurze Zeit und schwenkte um in das Gegenteil. Was ist passiert?

Ja, ich bin tatsächlich eine Zeit lang mehr und regelmäßig gelaufen und der Verlauf der App bestätigte dies immer wieder gerne mit neuen Bestzeiten, mehr gelaufenen Kilometern, interessanten Statistiken und zwischendurch wurden diese mit kleinen digitalen Pokalen belohnt.

In allen Lebensbereichen arbeiten wir an einem Status Quo, welchen auch immer, aber wozu? Selten ist die eigentliche Tätigkeit im Mittelpunkt, sondern einzig das Ergebnis. Dieses Vorgehen schaffte eine Menge Frustrationspotential, welches durchaus auch in Wut enden konnte. Wut muss doch auch irgendwo herkommen und kann doch auch berechtigt sein, oder?

Hatten für dich vielleicht folgende Situationen einmal Wutgefühle in dir ausgelöst?

  • Schulnoten / Nicht erhaltene Gehaltserhöhung

Natürlich sind Noten/höheres Gehalt auch abhängig von der eigenen Leistung, aber eben auch vom Wohlwollen der Lehrer und des Benotungssystems, oder des Vorgesetzten oder einfach nur wegen der Branche, für die keine Sau Geld bezahlen will.

  • Spiele/Gewinnen

Der Sieger erhält den Ruhm und die anderen?

Habe ich Freude damit? Wie fühlen sich die Belohnungen an? Und was fühlen wir, wenn wir schlecht sind? Schummeln?

Warum wollen wir immer Sieger sein? Wo immer es einen Sieger gibt, da gibt es auch einen Verlierer, bzw. wo immer es etwas zu gewinnen gibt, kann man auch verlieren. Wie gehen wir denn mit den ganzen Verlierern um und sind wir selbst besonnene Verlierer, die ihre Niederlage immer als Chance sehen, um sich zu verbessern? Tendieren wir durch Scheitern eher zu Motivation oder Resignation? Das kann unterschiedlich sein, aber was glaubst du ist die Tendenz?

Was führt uns dazu, selbst Antrieb zu haben um etwas leisten zu können? Warum suchen wir überhaupt nach Antrieb von außen?

Sollte unsere erste Frage nicht deshalb immer sein: WARUM will ich dies, oder jenes?

Möglicherweise ist die Lösung für all unsere Motivationsprobleme ja, dass wir einfach wenig in der Lage sind, zu akzeptieren, dass wir für etwas das wir wollen, auch immer etwas anderes das wir evtl. ebenfalls wollen verzichten müssen. Stattdessen tun wir viel unzählige Dinge, die wir tun sollten und hecheln den Belohnungen hinterher, wie der kleine Dackel, der sich auf sein Leckerli freut. Wenn es nicht klappt, guckt auch schonmal der kleine Wutteufel hervor.

Mach doch was du willst (und mach daraus eine Gewohnheit)

Hat schonmal jemand folgendes zu dir gesagt?

„Wo kämen wir eigentlich hin, wenn jeder machen könnte was er will?“

Bestimmt hast du diese Phrase irgendwann einmal zu hören bekommen. Was löst dieser Satz in dir aus? Und, was wäre deine Antwort auf diese Frage? Was würdest du machen, wenn du tun und lassen könntest, was du willst? Ohne Finanzielle und Gesellschaftliche Grenzen?

Ein Problem, dem wir vermutlich alle unterliegen, ist, dass wir unsere eigene Entwicklung eher zu hoch einschätzen, während wir die von anderen Menschen eher zu niedrig einschätzen. Deshalb regen wir uns ja auch gerne über unsere unfähigen Mitmenschen auf, oder?

Aber, kann ich wirklich niemanden vertrauen, weil sonst „die Anderen“ die ganze Welt zugrunde richten würden? Oder gibt es nicht vielleicht mehr Menschen auf der Welt, als du und ich gerade glauben können, die, wenn man sie wirklich!! machen lassen würde worauf sie Lust haben, etwas Wunderbares geschehen lassen könnten? Vielleicht wäre die Welt plötzlich ein viel friedlicher Ort als jetzt. (Und niemand müsste mehr Afd wählen und würde stattdessen vielleicht lieber an einer kleinen Wandeloase bauen)

Kennst du jemanden, der sich wirklich schon einmal darauf eingelassen hat, um der Frage ernsthaft nachzugehen, wo wir denn da hinkämen, wenn jeder machen könnte was er will? Hast du es selbst schonmal versucht? Und wenn ja, wie weit bist du gekommen und wo stehst du jetzt? Bist du Wütend, dass ich dich das gerade gefragt habe?

Falls du es noch nicht getan hast, dann möchte ich dich dazu einladen und freue mich darüber, wenn du deine Gedanken dazu mit mir auf meiner Facebook Seite teilst, oder hier im Kommentarbereich. Ich hoffe, dass dies keine wütenden Kommentare werden.

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