Mach mal Stopp

Wann warst du in letzter Zeit faul?

Aus vielen Mündern kommt ja wie aus der Pistole geschossen: Ich bin busy. Auf Deutsch auch – ich bin viel Beschäftigt. Es scheint, als hätte niemand mehr Zeit.

Ich bin busy

– typische Antwort von jederman

Kinder, die einfach rausgehen, um Freunde zu treffen? Im Ernst? Ohne ein “Spieltermin” öffnet sich keine Tür. Mal eben zum Nachbarn gehen, um sich etwas auszuleihen? Bleibt wohl eher Ergebnislos. Alle sind unterwegs und beschäftigt. Insbesondere doch um die Feiertage herum, oder? Wie oft hört man jemanden in den letzten Tagen völlig frei von Zynismus sagen: Mir geht es gut, ich bin entspannt und genieße die Vorweihnachtliche Zeit.

Vielleicht sagst du: „Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr faul. Ich bin immer beschäftigt und alle anderen auch. Und du fügst hinzu, dass es heutzutage so sein muss. So sollte es sein, wenn man erwachsen ist.“

Man kann sich Faulheit einfach nicht mehr leisten, oder?

Vorsicht

Also, wohin geht die Geschichte jetzt? Nun, ich behaupte, dass beschäftigt sein, wirklich schädlich ist. Naja, es gibt sicher auch Menschen, die sich Faulheit als Lebensweisheit auf die Fahne geschrieben habe. Über die will ich heute gar nicht schreiben. Die haben sicher ihre eigenen Probleme.

Doch wahrscheinlich, wenn du wirklich einen Durchbruch in Sachen Effektivität willst, dann könntest du für einen Moment aufhören, beschäftigt zu sein; denn vermutlich bist du sogar schon jetzt wieder dabei, darüber nachzudenken, welchen nächsten Link du öffnen könntest, oder, welchen Podcast du dir (vielleicht noch beim Lesen dieses Artikels) anhören könntest.

Herrscht bei dir vielleicht das Gefühl, dass du heute nicht genug erreichen könntest?

Nun, atme einfach tief durch und halte durch. Ich lade dich ein, diese sehr seltene Erfahrung einer echten Pause zu machen. Lasse einfach mal alles für 10 Sekunden beiseite, bevor du etwas anderes tust (sogar diesen Artikel zu lesen).

Als kleine Hilfestellung habe ich dir die Zahlen mal aufgeschrieben:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Was für eine Erleichterung, nicht wahr? Nicht? Hast du es wirklich versucht?

Ganz schön stressig, so eine Pause

Gestresst durch die Einladung, könntest du vielleicht denken, nun, wie kann ich effektiv sein, wenn nichts getan wird?

Als ich noch als Restaurant-Führungskraft gearbeitet habe, ging es mir vielmals so: Pause machen ist Schwäche zeigen, dachte ich, doch währenddessen verfiel um mich herum gerne Chaos obwohl (oder gerade weil), ich versuchte alles zu erledigen. Was könnte deiner Meinung nach derGrund sein?

Das Endresultat ist jedenfalls bei zu viel “beschäftigt sein”
immer das Gleiche. Es fehlt an Raum und es bleibt keine Zeit mehr übrig, um zu überprüfen, ob man zwischen den vielen dringenden Aufgaben auch dazu kommt, wichtige Dinge zu tun. Und es geht dabei nicht nur um das Kleinzeug im Leben. Es ist auch meines Erachtens (ein großer) Grund für die vielen globalen Probleme. Zum Beispiel, dass wir gerade mit Hochdruck daran arbeiten unseren Planeten in Plastik einzuwickeln. Die Frage scheint folgende zu sein: Geht uns erst das Erdöl aus, oder haben wir unseren Planeten zuerst luftdicht in Folie verpackt?

Es ist schön, dass vieles heute so einfach ist, aber leben wir nicht fast ausschließlich im Autopilot-Modus ohne zu überprüfen, ob unser Kurs auch noch beibehalten werden sollte?

Obendrein beurteilen wir Menschen, wenn wir denken, dass sie für uns offenbar faul sind, ohne den wahren Wert einer Pause zu verstehen und achten penibel darauf, dass sie auch ja immer schön produktiv bleiben, egal was für ein Scheiß verzapft wird. Hauptsache irgendwas.

Mir fällt da ein lustiger Vergleich ein. Es gibt ja das Sprichwort:

“Wo gesägt wird, fallen auch Späne.”

Viele setzen damit gleich, umso mehr Späne liegt, desto mehr wird geschafft. Klingt irgendwie logisch. Im Vergleich wieder zu unserer Situation mit unserem Planeten in Not geht mir folgende Frage durch den Kopf:

Sägen wir jetzt noch wegen einem Sinnvollen Werkstück, oder wegen der Späne die abfallen soll?

Busytierversuch

Versuchen wir uns an dieser Stelle mal folgende Situation vorzustellen.

Angenommen, du läufst die Hauptstraße entlang, um noch alle Weihnachtsgeschenke zu bekommen. Schweiß läuft über dein Gesicht. Deine Arme sind voller “Zeug” und du kannst nicht einmal mehr viel vor dir sehen, mit dem ganzen Kram im Arm. Während du damit beschäftigt bist, deine Sachen zu erledigen, versuchst du, mehr und mehr Sachen zu tragen. Jeder Schritt ist mittlerweile ein Balanceakt.

Du überquerst die Straße – und wirst du von einem Auto angefahren. Das ist vielleicht nicht so ratsam, findest du nicht?

Die Ironie ist, dass die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang aber genauso leben.

Woher kommt dieses Verhalten? Ich werde es dir nicht sagen, du sagst es dir selbst.

Faultiertipp

Wenn du denkst, dass es bereits etwas gibt, was du bis hierhin lernen könntest, dann lass mich dir nun einen Rat geben.

Bitte beachte, was in deinem Leben vor sich geht und prüfe, ob du wirklich mehr Dinge tragen kannst, bevor du den nächsten Laden betrittst. Setz dich ruhig auf eine schöne Bank, schauen dir an was du bereits hast und prüfe, ob es vielleicht besser wäre, das was du hast nach Hause zu bringen, bevor du weiter machst. Sei aufmerksam. Nicht nur zu Weihnachten, sondern für jede Situation in deinem Leben.

Sinnvolle Weihnachten

Zu Weihnachten könntest du dich fragen: Hast du wirklich sinnvolle Geschenke gekauft, oder war es nur etwas Interessantes? Wie könnte ein Geschenk für jemanden sein, wenn du wirklich etwas finden würdest, das für diese Person außerordentlich bedeutend ist? Was könnte es für deine Beziehung bedeuten, wenn du etwas finden würdest? Braucht man dafür nicht eine Pause, um sich Gedanken zu machen?

An dieser Stelle habe ich nichts hinzuzufügen. Du könntest dich einfach zurücklehnen und anfangen, von nun an auch öfter mal aufzuhören.

Und wenn du wirklich tiefer eintauchen willst, warum lässt du dich nicht von Andy Puddicombe inspirieren, der dir in seinem TED-Talk etwas darüber erzählt?

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