Offers and Needs Market: Partnerschaftsgemeinschaften in Aktion

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In diesem Beitrag ist die Rede vom Offers and Needs Market (OANM). Sinngemäß in Deutsch übersetzt bedeutet das: „Der Marktplatz des Gebens und Erhaltens“.

Als ich mich im letzten Jahr zum “Offers and Needs Facilitor” zertifizieren ließ, hatte ich noch keine Ahnung, wie sehr diese Fortbildung mich und meinen Alltag schon bald beeinflussen wird. Seitdem hat sich viel getan und die letzten Monate waren geprägt von Transformation, Dankbarkeitsgefühlen und Erstaunen. Zu einem anderen Zeitpunkt werde ich dazu meine persönlichen Erkenntnisse im Blog teilen.

Heute möchte ich mit dir aber einen Beitrag von Emily Malkin [Link führt zu LinkedIn] teilen, den sie meines Erachtens sehr treffend verfasst hast.

Der Beitrag von Emily basiert teilweise auch auf ihre Erlebnisse eines von mir und meiner Frau moderierten OANM und zeigt, was dich bei einem Besuch des „Marktplatz des Gebens und Erhaltens“ erwarten kann.
Falls du lieber die originale Fassung von Emily lesen möchtest; den Originaltext in Englisch findest du hier [Offers and Needs Markets: Partnership Communities in Action].

Autorin: Emily Malkin

Übersetzung: Björn Michael

Angebote und Bedürfnisse

„Offers and Needs Markets“ sind zweistündige Veranstaltungen, bei dem die Teilnehmer in einer moderierten Exkursion Angebote machen und Bedürfnisse aus ihrem täglichen Leben mit anderen Teilnehmern teilen, was letztendlich in einem reichen Austausch von Wissen und Ressourcen gipfelt.
Als ich das erste Mal an einem Offers and Needs Market teilnahm, war ich begeistert von der Möglichkeit, wenn auch in kleinem Rahmen ein alternatives und lebensfähiges Handelssystem zu praktizieren.

Die Theorie hat mich gelehrt, dass eine Post-Wachstums-Zukunft, in der die menschliche Erfahrung viel mehr im Vordergrund steht als die Profitakkumulation, eine Zukunftsvision ist, die auf einem Fundament von partnerschaftlichen Systemen und Werten ruht. Wenn man sich die Zeit nimmt, danach zu suchen, findet man bereits Austauschsysteme, vor allem in Gemeinschaften, aber auch über Social-Media-Gruppen und Apps, die sich partnerschaftlichen Praktiken in Aktion widmen und die die Wiederverwendung von Gütern und das Teilen von Fähigkeiten und Dienstleistungen einschließen.

Obwohl ich an einigen dieser Handels- und Umverteilungsinitiativen teilnehme, z. B. Freecycling, Second-Hand und Foodsharing haben mich Offers and Needs Markets für meinen Bedarf wie kein anderes System fasziniert.

Mehr als scrollen, posten und klicken

Mehr als ein schnelles Scrollen durch Facebook oder ein Posting auf einer App ist der Offers and Needs Market. Es handelt sich um eine Veranstaltung und man muss dafür auftauchen.

Für die viele mag das vermutlich zunächst abschreckend wirken: Wollen wir wirklich zu einer zweistündigen Veranstaltung gehen, in der Hoffnung, einen Satz Blumentöpfe zu bekommen, jemanden zu finden, der die Spülmaschine repariert oder einen neuen Fitnesspartner? Oder schlimmer, ohne etwas zu erhalten, wegzugehen und sich obendrein noch dazu verpflichtet zu haben, für einen Nachbarn Gartenarbeit zu machen oder jemandem in Australien Musikunterricht zu geben? Das passt nicht in unseren hyperaktiven, von Bequemlichkeit geprägten Lebensstil.

Dieser [Austauschprozess] hat „meinen Glauben an die Menschheit wiederhergestellt.“

Eine Teilnehmerin

Was verblüffend ist, ist, dass Menschen wie ich immer wieder auftauchen, und diejenigen, die sich anschließen wollen, wiederkommen und sogar lernen, wie sie die Erfahrung erleichtern und mit anderen teilen können. Was ist es denn dann, was diesen scheinbar kontraintuitiven Austauschprozess so anziehend macht?

Diese Frage versuche ich in einer sehr langen akademischen Abhandlung zu beantworten, und nun hier vorstellen werde:
nur ein Scherz.

Überraschungsmomente

Ich werde aber auf einen Aspekt eingehen, der bei Teilnehmern und Moderatoren gleichermaßen immer wieder auftaucht und in seiner Einfachheit und Schönheit inspiriert.
Ich nenne es das Element der Überraschung.

Wenn Sie zum ersten Mal an einem Offers and Needs Market teilnehmen, wissen Sie eigentlich nie, was Sie erwartet. Und wenn Sie immer wieder Offers and Needs Markets besuchen, wissen Sie es weiterhin nicht. Obwohl der Prozess vertrauter wird und Sie vielleicht sogar beschließen, immer wieder in der gleichen Gruppe mitzumachen, werden sich die Angebote und die geäußerten Bedürfnisse jedes Mal unterscheiden; Sie wissen nie, was Sie vorfinden werden.

Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Sie können ein Bedürfnis äußern und feststellen, dass jemand in der kleinen, intimen Gruppe genau die Ressourcen, Fähigkeiten oder das Wissen hat, um diesen Bedarf zu erfüllen. Das ist die Magie von Partnerschaftsgemeinschaften in Aktion! Und es kann mit den ungewöhnlichsten Dingen passieren. Mir ist das mit einer passiert, als ich einmal medizinischen Rat suchte, den ich für ein Familienmitglied mit beschränktem Budget gesucht habe. In einer Gruppe von fünf Personen fand ich jemanden mit genau diesem Wissen. Die Zufälligkeit dieser Begegnung erfüllte mich mit Begeisterung, insbesondere, weil ich meine Bitte mit “Ich weiß nicht, warum ich das frage; es ist so eine Nischen-Bitte” einleitete.

Allerdings war nicht ich, die Empfängerin, die durch diese Erfahrung verwandelte. Stattdessen war es die Dame, die mir Hilfe anbot, die in diesem Moment den Tränen nahekam.
Am Ende der Veranstaltung sagte sie, dass dies “meinen Glauben an die Menschheit wiederhergestellt hat”.

Unmögliches möglich machen

Ein weiteres Beispiel für die Stärke des Überraschungseffektes beim Offers and Needs Market, ist die Möglichkeit, Gelegenheiten zu entdecken, die vorher vielleicht verschlossen waren, die Sie nicht kannten oder für unmöglich gehalten haben. Dies geschieht, wenn ein Teilnehmer ein Angebot für etwas macht, das Sie vielleicht nie in Ihrem Leben in Betracht gezogen hätten, dann aber plötzlich Ihre Neugierde weckt.

Stellen Sie sich vor, als wäre dieses Angebot der Zugang zu einem Teleskop oder Astronomie Unterricht; ein ganzes Universum breitet sich gerade vor Ihnen aus.
Ein weiteres Beispiel. Ein Student war ist für die Schule nach Bozeman, Montana, gezogen und hatte gerade seinen Führerschein gemacht. Und siehe da, ein Kommilitone hatte einen gut erhaltenen Toyota Sierra Minivan. In einem Akt von fast unvorstellbarer Großzügigkeit schenkte sie ihm den Van.

Möglicherweise kann der Offers and Needs Market auch ein Ort sein, an dem man etwas Überraschendes über sich selbst erfährt. Wenn Teilnehmer tief in sich gehen, um darüber nachzudenken, was sie anbieten wollen, dann beginnen viele Menschen damit ein tieferes Verständnis für ihren wahren Wert gegenüber anderen und verbessern damit ihr Selbstbild. Partnerschaftliche Beziehungen fördern gegenseitigen Respekt und Befähigen zu einem stärkeren Selbstbild. Vielleicht erkennen die Teilnehmer, dass Sie etwas zu bieten haben, von dem Sie nie wussten, dass es existiert.

Das sind Dinge, die Offers and Needs Markets möglich machen.
Partnerismus: Ein sozioökonomisches System, das die Fürsorge für andere wertschätzt und belohnt.

Emily Malkin ist Master’s student of International Developmentund schreibt ihre Abschlussarbeit über den Prozess der Offers and Needs Markets. Emily interessiert sich für Ideen rund um Degrowth und Postwachstum, Kreislaufwirtschaft, partizipative Governance, Konsumreduktion, Umverteilung, Soziokratie, Veganismus, ethisches Reisen und Ehrenamt. Sie ist mit dem Post Growth Institute verbunden.

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