OMG!!! Mein Karma ist gesunken!!!

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Gedanken zu Apps und andere (Un-) Nützliche Motivatoren

 

Mein Freund und sein Sport

Mein Freund ist ein super Kerl. Er ist erfolgreich im Job. Hat eine großartige Familie und er hat ein Problem. Jedenfalls glaubt er das, wann immer es um sportliche Aktivitäten geht. Er hat schon viel in der Vergangenheit versucht, so wie es ihm viele gleichtun. Meistens läuft das in einem bestimmten Schema ab, wenn er wieder mal neue Ansprüche an sich erhebt.

Nehmen wir mal an, mein Freund will regelmäßig Rad fahren, dann passiert etwa folgendes: Er stellt fest, dass er ja nur ein älteres Mountainbike hat. Seinem Verständnis nach kann er aber damit ganz bestimmt nicht sportlich sein – also geht er erstmal in ein Fahrrad Fachgeschäft. Da Geld jetzt nicht sein größtes Problem ist, ist es auch nicht die größte Herausforderung für ihn ein Investment in der Größenordnung eines Kleinwagens zu machen. Man würde meinen, nun kann es losgehen, doch halt! Ohne die passende Ausrüstung kann es noch nicht losgehen, also werden noch weitere Investitionen für allerlei professionelles Equipment getätigt, bis hin zur passenden Tracking App, die mitteilt, welche Meilensteine erreicht werden.

Ein halbes Jahr später, wenn ich denn nachfrage wie es so mit dem Radfahren läuft, ist üblicherweise von der Motivation und den groß gesetzten Zielen meistens nichts mehr übrig. So, wie vorher schon mit dem Tennis spielen und andere Bestrebungen sich sportlicher zu betätigen. Situationen wie sie mein Freund erlebt, kenne ich zugegebenermaßen von mir ebenso und ich will sogar behaupten, dass wir alle so etwas in irgendeiner Form, nur halt in unterschiedlichen Bereichen, schon erlebt haben. Sei es, die nie in Anspruch genommene Sportstudio Mitgliedschaft. Die Gitarre, die an der Wand als Deko diskriminiert wird, oder die Lauf-Kleidung, die in der Ecke liegt und höchstens noch als Mottenfutter taugt. Ist das nicht dämlich?

Ich und meine Apps

Meine Schwäche sind Apps – Die kosten üblicherweise nicht gleich mehrere tausende Geldnoten – aber verschwinden durchaus gerne im digitalen Heuhaufen, obwohl ich mir davon einmal so viel versprochen habe. So schaffen es bei mir Todo Apps mich davon abzuhalten meine Aufgaben zu erledigen und Sport Apps, dass ich mein Workout wieder absetze. Glaubst du nicht? Doch echt!

Ich kenne wirklich viele wirklich genial programmierte Apps für Produktivität und bin bei Freunden und Bekannten oft als technische Beratung gefragt, wenn´s Probleme gibt. Manche dieser Apps vergeben dann noch tatsächlich Karma-punkte für die beste Art der Nutzung und für abgehakte Aufgaben. Aber sie effektiv nutzen zu können ist bei mir Fehlanzeige. Statt meinen Aufgaben nachzugehen, vertreibe ich meine liebe lange Zeit damit, an der perfekten Einrichtung zu schrauben. Egal wie super die Apps sind und egal wieviel ich schon über Produktivität gelesen habe…Effizienz und Produktivität ist nicht meine Stärke, bzw. kollidiert mit meiner Persönlichkeit.

Es ist ja nicht so, dass ich das nicht grundsätzlich kann, nur es unterdrückt meine Stärken zu sehr, wenn ich versuche mein Leben daran zu stark auszurichten. Außerdem – Könnte es nicht auch passieren, dass man sich selbst für mehr Karma-punkte betrügt, indem man zwar vielleicht viele Aufgaben erledigt, aber dafür nur unnützes Zeug, anstatt sich auf wirklich wichtige Dinge zu fokussieren?

Zum Beispiel anstatt einer wirklich wichtigen und vielleicht unangenehmen Sache nachzugehen, erledigt man 20 Dinge, damit man seine Punkte einheimst. Also ob ich mir damit echt besseres Karma verschaffe, sei mal dahingestellt.  In der App steht dann, dass ich ein ganz tolles Ergebnis erreicht habe – vielleicht sogar eine Bestleistung. Die Realität aber ist, dass ich mich mit Hausputz, Alltagsaufgaben, 08/15 Zeug beschäftigt habe, aber nicht dafür gesorgt am großen Vorhaben zu arbeiten. Vermutlich aus Angst. Es ist doch also auch wichtig zu wissen, warum oder wofür ich etwas tue. Vielleicht sogar viel wichtiger, als zu wissen, dass ich ganz viel und besonders effektiv erledigt habe, oder?

Noch ein Beispiel. Kennst du Apps wie Runtastic, oder Endomondo? Oder kennst du vielleicht diese modernen Fitnessbänder? Das sollen Hilfsmittel sein, um gesünder zu leben und mehr sportlich aktiv zu sein. Nun ich finde es spannend meine Leistungen in Grafiken anzuschauen und mit älteren Leistungen, oder sogar den Leistungen von Freunden zu vergleichen. Es gibt an dieser Stelle nur ein dickes, großes ABER!

Ich bin von meiner Persönlichkeit nämlich auch eher impulsiv, was sich zum Beispiel daran sehen lässt, dass es mir nicht schwerfällt, einfach so meine Laufschuhe, oder mein Fahrrad zu schnappen um draufloszulaufen oder radeln. Dies kann zu jeder Zeit des Tages passieren. Als ich bemerkte, dass ich für mein persönliches Bedürfnis zu wenig Sport gemacht habe, oder einfach nur generell zu wenig Bewegung hatte, probierte ich es mit solchen elektronischen Hilfsmitteln. Verglich mich mit freunden und sammelte fleißig Punkte. Nur, leider hat Technik ein paar Nachteile. Erstens, wenn sie nicht funktioniert, dann ärgere ich mich über die fehlenden Einträge, die meine Ergebnisse verfälschen. Zweitens, ich muss sie immer bei mir haben, sonst fehlen mir die Ergebnisse und verfälschen meine Statistik. Das ärgert mich und demotiviert. Dabei kann Sport so einfach sein. Und so mache ich es heute: Ich laufe, oder fahre los, wann immer mir danach ist, zumindest fast. Dies bedeutete für mich aber natürlich, dass ich mir die Rahmenbedingungen schaffen musste, dass dies auch so möglich ist und dafür musste ich einige andere Dinge anders machen, um den zeitlichen Raum und Unabhängigkeit dafür zu schaffen und ich arbeite eigentlich sogar noch immer daran. Ich ärgere mich seitdem nicht mehr, wenn ich mal nicht laufen kann. Und oftmals, mache ich Sport, obwohl ich das ursprünglich überhaupt nicht eingeplant habe. Dadurch bleibt bei mir die Freude für die Bewegung bestehen und ich ärgere mich nicht mehr, falls ich mal ein Training ausfallen lassen muss. Mir passiert es außerdem auch nicht mehr, dass ich gar nicht erst loslaufe, weil die Technik streikt. Ja, das ist mir wirklich schon passiert.

Letztlich muss jeder für sich seine eigenen Lösungen finden. Für mich persönlich bedeutet es zuallererst, überhaupt ganz klar für mich abzustecken, was ich will und eigentlich noch wichtiger, zu wissen, welche Dinge ich eigentlich nicht brauche, sondern einfach nur toll, oder nett finde. Ist es nämlich nicht so, dass die meisten Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie “benötigen” eigentlich nicht mehr als nur ganz nett?

Wie geht es dir mit solchen Hilfsmitteln wie Apps, Tagebuch etc.? Kennst du Menschen wie meinen Freund, oder geht es dir vielleicht auch so? Teile mir deine Gedanken in den Kommentaren mit. Im nächsten Artikel werde ich bissig. Bleib gespannt. Hab eine gute Zeit.

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