Plötzlich Social Media – Warum ich für die Empathie Tour über meinen Schatten springe

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“In der Öffentlichkeit stehen ist nichts für mich.” Wie wirkt dieser Satz auf dich? In diesem Beitrag geht es um meine Erfahrungen zum Thema: Umgang mit sozialen Ängsten, insbesondere auf sozialen Medien. Lass mich eigene persönliche Erfahrungen mit negativen Gedanken teilen, mit denen ich mich leicht selbst manipulieren könnte. Ich schreibe darüber, wie insbesondere introvertierte Menschen in Gefahr geraten, ihr Potenzial durch Voreingenommenheit zu verschenken und was dagegen zu tun ist

Vielleicht lehnst du selbst bestimmte Dinge kategorisch ab. In diesem Beitrag gibt es zwar etwas weniger neue Informationen zu meiner „Empathie Radrundreise 2019“ , doch er soll dir ein wenig Einblick geben, was ich als meine persönliche Herausforderung für das Vorhaben sehe und warum Empathie für mich so eine wichtige Rolle spielt. Er ist außerdem eine Erinnerung daran, dass sich Voreingenommenheit in vielen Formen breit machen und Empathie in vielen Formen ausgelebt werden kann, denn es geht dabei auch im das Verständnis daovon, die Probleme andere anzuerkennen. Auch wenn man das selbst nicht so empfindet, oder sieht.

Stark sein und Schwäche zeigen

Social Media habe ich bisher im Leben eher zurückhaltend genutzt. Zu sehr überwiegt der Anschein, dass egal wo man hinschaut, nur diejenigen werden erhört, die am lautesten schreien. Und habe ich mir durch meine eigenen Vorurteile gerne mal das Leben schwer gemacht. Doch plötzlich habe ich kürzlich angefangen durch die Gegend zu Posten und Videos zu teilen – noch etwas ungeplant und wenig schick. Ein seltsames Gefühl, denn eigentlich habe ich das bisher immer gemieden, auch wenn sich durch Facebook auch wunderbare Freundschaften entwickelt haben. Ich hatte schon immer eine andere Herangehensweise mit Menschen umzugehen und war eher nie Massentauglich. Das heißt nicht, dass ich nicht in Gruppen zurechtfinde. Doch der individuelle und persönliche Austausch funktioniert bei mir wesentlich besser…ist aber eben auch aufwändiger.

Du bist kein Persöhnlichkeitstyp. Du bist eine Persönlichkeit; was du für eine du bist, hängt davon ab, was du tust und wer dich dabei beobachtet und bewertet.

Nun steht eine Radreise an, die ich dokumentieren will und bei der ich mich mit Menschen vernetzen will und Menschen miteinander verbinden will. Was bietet sich da besser als ein Weltweites Soziales Netzwerk?

Wie du siehst, zähle ich mich zu der der Gruppe Menschen, die sich eher sich nicht in den Vordergrund drängt und ich teile gerne, helfe anderen und achte einfach, wann immer möglich, auf meine Mitmenschen; tendenziell immer mehr, als ich auf mich selbst achte.
Klingt nach einer guten Eigenschaft? Doch wie erstrebenswert ist dieser Lebensstil, hat er einen Haken? Und vor allem, ist das wirklich immer so?

Augenöffnendes Erlebnis

Einen möglichen Haken habe ich gefunden, als ein Erlebnis mein Bild vom demütigen Menschen ganz schön erschütterte. Ich beobachtete ein Kind dabei, wie es bei einer Geburtstagsfeier im Hintergrund stand, während ein wilder Haufen anderer Kinder sich auf eine Piñata stürzten, um ihr die Rübe abzuschlagen. Hilflos schaute es den anderen Kindern mit Tränen gefüllten Augen hinterher, die sagten: “Hilf mir jemand. Ich will auch etwas”. Doch über die Lippen kam kein Wort.

Du kannst nie richtig für niemanden da sein, wenn du dich nicht um dich selbst kümmern kannst.

Ich war Zeuge, wie ein eigentlich sozialer und lebensfroher Mensch, nicht in der Lage war für sich einzustehen – und obendrein erkannte ich mich in Nuancen darin wieder. Was für eine eindringliche Erkenntnis, die mich zwiegespalten zurückließ. Einerseits freut es mich natürlich, ein Kind zu sehen, dass andere Kinder nicht beiseite schubst und alle Süßigkeiten für sich einheimst. Doch andererseits, ein Kind zuzuschauen, das nicht in der Lage ist, sich bei den anderen Kindern bemerkbar zu machen, hat mich beschäftigt.

Diese haben jedoch ohne aktives Einbringen, nicht die Möglichkeit gehabt, ihr Handeln zu reflektieren, weil sie im Getümmel des Gefechts nichts mitbekommen haben. Vielleicht war es Unachtsamkeit, vielleicht einfach nur Unbewusstheit, das zu bewerten, nutzt dem betroffenen Kind nichts. Die „Schuld“ lag also auch nicht eindeutig bei der Meute; sie war einfach nur voller Eifer in ihrem (zugegeben, recht rabiaten) Element. Ähnliche Situationen kenne ich aber auch aus der Berufswelt bei Erwachsenen.

Machtspielchen in der Gesellschaft

Es gab mal eine Situation, in der mich eine Frage ziemlich sprachlos gemacht hat. Ich wurde in einer Unterhaltung mittendrin und völlig unerwartet gefragt, ob ich jemand sei, der „sozusagen nur Tellerwäscher sei“. So direkt hat mich bis dahin noch niemand versucht, allgemein abzustempeln. Entschieden wies ich das sofort von mir und ich war über diese Frage schockiert. Ich habe doch schließlich an vielen Stellen Verantwortung übernommen und arbeitete sogar in einer Führungsposition. Mit ein wenig Abstand verstand ich jedoch besser, wo meine Schwächen liegen, und ließ mich mal ganz bewusst darauf ein, mich als Tellerwäscher zu sehen.

Ich begann mit der Frage: Warum überhaupt sollte ich
das ablehnen? Vermutlich weil Tellerwäscher kein Statussymbol ist. Zumindest
keines, das allgemein als positiv angesehen wird. Doch ich will mich gar nicht
darauf einlassen, in solchen abwertenden Denkmustern zu leben.

Auch in Führungsposition habe ich keine Macht ausgeübt. Ich habe außerdem verstanden, wie ich Interessen durchsetzen kann, ohne gleich mit der Machtkeule zu schwingen. Das führt mich zu der Frage: Wüsstest du, wie du als Tellerwäscher Einfluss haben kannst?

Führung ist nicht zwingend Macht haben zu müssen. Einen
guten Beitrag zum Thema findest du im Artikel Macht
oder Einfluss
von Tom Schmitt über das Status-Modell.

Aber das heißt auch, selbst wenig oder keine Macht spricht dich nicht von Verantwortung frei.

Keine Macht zu haben, spricht dich nicht von Verantwortung frei.

Es ist kein Grundgesetz, dass es zwingend schlecht bezahlte Berufe geben muss. Und doch leben wir genauso. Überall werde Menschen anhand dessen was sie tun abgestempelt. Lohngleichheit, ist nicht gleich Lohngerechtigkeit. Wer bestimmt, welcher Beruf Wert-voll und welcher Wert-los ist? Weshalb haben Frauen weniger Rechte und geringere Chancen, oder warum werden Kinder Un-vollwertig angesehen?

Gerechtigkeit ist keine Selbstverständlichkeit

Dass sich diese Dinge immerhin verbessert haben, liegt
nicht insbesondere daran, dass viele plötzlich erleuchtet waren, sondern weil
einige, trotz ungleicher Machtverhältnisse viel Einsatz gezeigt haben. Oft
braucht es jemanden, der sich dann als Anführer zeigt, andere wiederum werden
plötzlich zum Anführer ernannt. Ich widme meine Tour diesen Menschen, auch wenn sie nur für kleine Dinge eintreten, die andere nicht sehen.

Wie setzt du dich dafür ein, wer der richtige Anführer, oder Vertreter deiner wichtigen Themen ist?

Nicht in erster Reihe stehen zu wollen heißt nicht, dass andere die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu tragen haben.

Großartiger Tellerwäscher

Die Metapher von der Geschichte „Vom Tellerwäscher, der über Nacht zum Millionär“ klingt zwar für viele reizend, jedoch nicht jeder will im Rampenlicht stehen, und am Tellerwaschen ist eigentlich auch nichts verkehrt. Doch wenn unpopuläre Tätigkeiten mehr Ansehen, oder eine neue Bedeutung bekommen sollen, dann muss sich dafür eingesetzt werden. Klagen und sich bedauern hilft jedenfalls nicht. Deshalb soll eine Vision her:
Eine Welt mit Menschen, die sich nach mehr sehnen als Geld und Anerkennung. Leute, die sich für ungewohnte Dinge engagieren, oder für scheinbar gewöhnliche Dinge ungewöhnlich starkmachen. Dabei kann jeder mitmachen.

Genau nach diesen Menschen und Projekten halte ich in den nächsten Wochen und Monaten ausschau und werde vor, während und auch noch nach der Radtour davon berichten.

Ich plane nun meine erste eigene Spendenaktion und tummle mich plötzlich auf Social Media herum, poste Sprüche und Videos. Diese Aktion mache ich, weil ich in den Vordergrund rücken will, was mir wichtig ist: Empathie und Leidenschaft. Dafür lohnt es sich allemal über meinen eigenen Schatten zu springen und sich trotzdem treu zu bleiben.

Das war also ein wenig über mich und meine Verletzbarkeit, bevor es bei meinen nächsten Beiträgen mehr über die Inhalte, den Ablauf und dem Fortschritt meiner Vorbereitungen zu berichten gibt. Diese werde ich kürzer halten, dafür regelmäßiger schreiben. Es gibt als nächstes Details zur Strecke und zu Zwischenstationen, sowie Aktionen auf und vor der Reise. Putze also deine Brillengläser (sofern vorhanden) und bleibe mir erhalten.

In diesem Sinne

Lebe sinnvoll

Björn

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