Snooze Boykott – Aufwachphase ohne Schlummertaste überleben

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Ein Selbstexperiment – 4 Wochen plus 1 Woche extra

Hin und wieder stolpere ich über einen Song, der mir das Gefühl gibt, jeden Morgen zu etwas Besonderen machen zu können, kennst du das auch? Also mir ging es schon oft so, doch immer wieder sind in meinem Leben Musiktitel für mich gestorben. Warum? Weil sie für mich eine Zeit lang als Weckton dienten und ich sie dann nach einiger Zeit einfach nicht mehr hören konnte. Vielleicht auch, weil ich in der Vergangenheit die Schlummertaste ein wenig überstrapaziert habe.

Nun ja, ich möchte jedenfalls für Morde an großartige Musikstücke nicht weiter verantwortlich sein und lästige Klingeltöne will ich wenigstens reduzieren. Also habe ich mich auf die Suche nach Lösungen gemacht und den Wecker in einem Selbstversuch, für über einen Monat ein wenig von der Verantwortung befreit, mich pünktlich aus dem Bett zu holen.

Möchtest du wissen, was ich für Erkenntnisse dabei gesammelt habe, was es für mich bedeutet und warum davon auch etwas für dich von Bedeutung sein könnte?

Was Passiert, wenn man auf die Schlummertaste verzichtet

Meine Herausforderung für mein Experiment war klar. Ich wollte für 4 Wochen auf die Schlummertaste verzichten, weil ich in mehreren Artikeln davon gelesen habe, dass die Nutzung dieser Funktion sogar zu Schlafstörungen führen kann. In passenden Artikeln wurde empfohlen von 5 herunterzuzählen und sich dann aus dem Bett zu heben, um fit in den Tag zu starten. Um es mir nicht zu einfach zu machen, nahm ich mir gleichzeitig vor, auch etwas früher aufzustehen. Zielzeit war 5:00 Uhr. Was dann erst mal passierte, war Folgendes: Fehlende Schlummertastennutzung ja, Zufriedenheit, Fitness und sofortiges Aufstehen nein. Aber der Reihe nach.

An manchen Tagen konnte ich gleich mit dem Wecker hochschießen, doch erst mal fühlte es sich schlecht an und bis auf das, dass ich statt der Schlummertaste die Ausschalttaste gedrückt habe, passierte keine positive Änderung. Es war Ernüchterung angesagt.

Es wollte einfach nicht so recht Spaß aufkommen, was mich ehrlich gesagt wunderte. Ich habe in der Vergangenheit schon öfter mit früherem Aufstehen experimentiert und bin 30 Tage lang jeden Morgen unter die kalte Dusche gesprungen, aber der Fokus einzig auf den Verzicht der Schlummertaste war absolut nicht ausreichend. War die ganze Sache also eine Ente? Der Verzicht mag vielleicht ein sinnvoller Hinweis sein, aber für mich fehlte bei diesem Ratschlag irgendetwas. Nur was?

Motivation als entscheidende Kraft

Da ich mich, obwohl ich recht gerne früh aufstehe, in letzter Zeit schwergetan habe aus dem Bett zu kommen, erhoffte ich mir mit dem Verzicht auf die Schlummertaste, dass ich mich morgens besser konzentrieren kann und insgesamt besser in den Tag starte.

Nach zwei Wochen Frustration habe ich meine Strategie geändert und überlegte mir, was ich denn besser machen könnte, sodass ich von der ganzen Aktion noch etwas mitnehmen kann. In der dritten Woche beschäftigte ich mich also mit meinen Motivationen, den Gründen, warum ich überhaupt gerne aufstehe.

Persönlich will ich morgens vor allem die Ruhe genießen können, noch bevor der Lärm von Autos die tägliche Konkurrenz um Erfolg und Macht einleitet. Ich will die Ruhe nutzen, um mir klar zu werden, wie ich den jeweiligen Tag nutze und etwas Zeit dafür haben, um mich mit in der Stille entstehende Gedanken zu beschäftigen.

Ich mache auch gerne Sport oder kümmere mich um kleine Haushaltsaufgaben, generell tut mir Früh Bewegung gut und außerdem mache ich meiner Familie gerne Freude. Zum Beispiel, indem ich morgens schon Brötchen backe, frischen Orangesaft presse, oder ganz banal den liegen gebliebenen Abwasch vom Vortag bekämpfe. Dies sind alles Aktivitäten, die mir meinen Morgen verschönern.

Ich habe aber auch oft gelesen, dass man am besten schon zu dieser Zeit an seinen Zielen arbeitet. Das fällt mir wiederum oft schwer. Mich gleich an den Computer setzen und irgendetwas Großes planen? Kreativ sein? Das alles hat zumindest in den letzten Wochen (noch) nicht richtig gut funktioniert.

Kalte Dusche? Liegestütze? Laufen gehen, oder Rad fahren? Diese Aktivitäten sind wiederum kein Problem.

Wenn du diesen Beitrag liest, sucht du vermutlich noch die perfekte Lösung für dich. Und soweit kann ich schon mal vorwegnehmen, die perfekte Lösung ist immer die eigene, nimm dir ruhig Zeit herauszufinden, was du morgens gerne tun könntest. Es muss nicht gleich der erste Gedanke richtig sein.

Weck-Gemeinschaft

Die Schlummertaste quält leider nicht nur einen selbst, sondern auch Mitmenschen in der Wohnung oder im Ehebett. Für ein Paar, das gemeinsam unter einer Decke steckt, können unterschiedliche Aufstehzeiten ja durchaus zur Herausforderung werden. Wenn ich früher aufstehe, fühle ich mich immer schlecht, wenn ich den Schlafrhythmus meiner Partnerin durch mein Verhalten und Gelärme durch den Wecker störe. Allein deshalb muss die Schlummertaste eigentlich für mich und zum Wohle meiner Beziehung abgeschafft werden.

Aber es gab auch einen zweiten Grund. Mir viel auf, dass ich mich bis dahin zu sehr nur auf das Endergebnis konzentrierte. Ich habe viel zu wenig beachtet, dass insbesondere der Abend davor eine entscheidende Rolle spielte. Also musste ich auch mit meiner Familie klar kommunizieren und deutlich machen, dass ich, um morgens pünktlich aufstehen zu können und fit zu sein, früher schlafen gehen will. Das ist gar nicht so einfach im Familienleben, wenn es doch am Abend meistens noch Hunderte Dinge gibt, die es noch zu besprechen gäbe.

Oder noch Geschichten gelesen werden sollen, Filme geguckt und gemeinsame Zeiten verbracht. Zu leicht lässt man sich hinreißen, all diesen schönen Dingen unbedingt noch am nachzugehen. Nun, ich meine nicht und will auch nicht all diese schönen Dinge hinter mir lassen, aber es lohnt sich für mich, klarer zu kommunizieren, was ich wann auch wirklich will, oder ob es sich nicht doch manchmal lohnt, etwas zu verschieben oder lieber sein zu lassen.

Pünktlichkeit beginnt schon weit bevor der Wecker klingelt

Nach 2 Wochen herumdümpeln habe ich mich meiner Verantwortung angenommen und nach Möglichkeiten gesucht, meine Challenge weiterzuentwickeln, damit ich am Ende mit etwas Sinnvollem aus der ganzen Sache herausgehe. Ich sollte bei der Suche fündig werden.

Zuerst war es der offene Umgang innerhalb der Familie. Ich startete damit, mir die Tage besser einzuteilen. Morgens auf die Schlummertaste zu verzichten und dabei schon um 5 Uhr aufzustehen bedeutet, wenn man in einer Familie lebt, dass vorab noch einiges mehr zu beachten ist. Ich musste mir Fragen stellen wie: Gibt es am Abend noch Termine, für die ich mich mit Kind und Frau abstimmen muss? Wir kochen in der Regel abends. Kann ich schon etwas vorbereiten, oder sogar das Essen schon früher fertig haben, damit wir noch gemeinsame Zeit verbringen können? Gibt es sonst irgendwelche Dinge, die dafür sorgen können, dass es mir zu spät wird?

Der Wechsel meinen Fokus zu ändern und, statt mich nur darauf zu verlassen, dass ich morgens einfach nur genügend Disziplin habe, veränderte alles. Morgens, im müden Zustand Disziplin zu beweisen ist (manchmal) wirklich schwer, doch durch den Tag hinweg immer wieder diszipliniert zu handeln ist wirklich machbar und der Widerstand nicht so stark.

Erkenntnisse nach 4 Wochen

  • Ohne die Schlummertaste bin ich auch schon in der Aufwachphase aufmerksamer. Mein Unterbewusstsein hat scheinbar nach einer Weile kapiert, ich meins ernst mit dem Aufstehen.
  • Herunterzählen und dann aus dem Bett springen hat für mich nicht geklappt. Ich bleibe immer noch 5-15 Minuten, bis ich genügend zu mir gekommen bin. Interessanterweise wache ich zumeist genau diese Zeit schon vorher auf.
  • Manchmal kommen sogar schon gute Gedanken und Einfälle auf. Ich gehe immer öfter schon den Tag durch, oder denke zurück an den letzten Tag. Ich versuche aktiv meine Gedanken schon auf positiv vorausschauend, zu stellen.
  • Um pünktliches Aufstehen zu sichern, ist (mir) weniger wichtig, wie laut und toll der Wecker klingelt, sondern, dass ich einen erholsamen Schlaf hatte und es etwas gibt, worauf ich mich freue.
  • Ich bin abends achtsamer mit der Zeit und sorge frühzeitiger (wegen Familienangelegenheiten, sogar schon nachmittags) dafür, dass ich meine Zeit einhalte. So fällt es morgens in der Regel nicht mehr schwer.
  • Was mir auch noch fehlt, ist die Muse am Morgen. Ich will die Zeit eigentlich wegen der Ruhe für kreative Arbeit nutzen, aber eigentlich machen mir zu dieser Zeit eher aktive Tätigkeiten spaß, wie Sport oder Haushalt.

Die Schlummertaste ist mir nicht genug

Warum quälen wir uns überhaupt damit. Ich meine, der weglaufende Wecker Clocky war vielleicht der Höhepunkt der menschlichen Selbstfolterung im morgendlichen Kampf um den frühen Vogel. Gebracht hat er dem Erfinder ein Haufen Geld und vermutlich nur wenigen die gewünschten Resultate über längere Zeit. Klar, eine Zeit lang funktioniert es schon, aber auf Dauer frustriert es doch nur noch, wenn ein Gerät morgens mit Alarm durch die Wohnung fährt, und ist vermutlich letztlich nur noch mehr davon überzeugt einfach nur kein Morgenmensch, zu sein.

Nach 4 Wochen ohne Schlummertaste hatte ich endlich wieder Spaß morgens aufzustehen. Doch was jetzt? In den letzten Tagen vor Ende der Herausforderung ist mir aufgefallen, dass ich oftmals sogar schon vor meinem Wecker aufwachte und dann wartete, bis er klingelte. Wozu eigentlich?

Kurzer Gedanke, schnelle Entscheidung. Ich konnte nicht widerstehen, und wollte zumindest für einige Tage komplett auf einen Wecker zu verzichten. Gemacht getan.

Zahlen, Fakten, Zukunft

Zeit also, um zu den Ergebnissen zu kommen.

Hier meine Statistik der Aufstehzeiten in der letzten Woche, komplett ohne Wecker:

Di. 6:30, Mi. 5:20, Do. 5:26, Fr. 5:00, Sa. 9:15, So. 7:40, Mo. 5:05, Di. 4:43

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit meiner Herausforderung, muss ich sagen, dass ich durchaus zufrieden mit dem Ergebnis und den Erkenntnissen bin. Und wie geht es weiter?

Also der Wecker bleibt vorerst aus! Nur in Ausnahmefällen werde ich ihn als Rückhalt einsetzen. So werde ich sicher auch wieder Frieden mit ihm schließen.

Was denkst du? Schreib mir doch einen Kommentar auf Facebook/gehvoraus, oder schicke mir eine Nachricht über das Kontaktformular oder E-mail.

Lebe sinnvoll,

Dein Björn

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