Was ist Fahrradsattel-Philosophie und wer macht so was?

Reading Time: 6 minutes

Dies ist der vierte Artikel aus einer 21-teiligen Reihe zu meiner Radrundreise im August 2019. Für jeden einzelnen Tag picke ich mir ein Thema heraus, das mich beschäftigt hat, durch welches ich etwas gelernt, oder eine Erkenntnis gewonnen habe.

Dazu habe ich mich mit vielen Fragen auf meiner Reise beschäftigt. Einige davon waren zum Beispiel die folgenden:

  • Wie reise ich am liebsten?
  • Was ist mir auf einer Reise wichtig?
  • Was soll mir eine Reise bieten?
  • Wo will ich hin?
  • Wo will ich auf keinen Fall hin?

Lass mich dich also in diesem Beitrag als meinen Beifahrer mitnehmen. Begleite mich auf einer philosophischen Fahrt in den Niederlanden, entlang der Küste über Haarlem nach Amsterdam.

Planlos

Einer der großen Vorteile, wenn man morgens direkt am Strand aufwacht, ist, man kann direkt ins Wasser springen. Der Morgen am vierten Tag meiner Reise war also erst mal alles andere als planlos. Ich wollte schwimmen gehen. Das Meer rief nur so nach mir. Meine zwei Reisebegleitungen Martin und Chris lagen an diesem Morgen noch in ihren Schlafsäcken. Es war eigentlich nicht mal mehr sonderlich früh und erste Jogger liefen jedoch schon den Strand entlang.

Also hieß es für mich: rein ins kalte Nass. Das war der Beginn eines tollen Reisetags. Es ist und bleibt für mich eine meiner Lieblingsaktionen auf Reisen.

Als ich zum Camp zurück kehrte bekundete Chris kurz seinen Respekt für meine Aktion und dann ging es auch direkt los. Die beiden packten schon ihre Sachen und wir entschieden, noch eine Zeit lang gemeinsam zu fahren.

Abschiedsbild von der Fahrradgang

Wege, die sich trennen, treffen und begegnen

In dieser Kombination ging es erst mal zügig voran und wir sausten zu dritt die ersten Kilometer an der Küste entlang. Eigentlich ganz entgegen meiner bisherigen Art zu fahren. Und ich habe es später etwas bereut, das mir gerade die Dünenlandschaften dort sehr gefallen haben, irgendwie ließ ich mich aber vom Gruppenzwang ein wenig einnehmen. Daher war es gut, als sich aus einem Zufall ergab, dass ich noch mal auf Anja getroffen bin. Also gab es einen Abschied von meiner Fahrrad Gang und einen Halt für einen weiteren Kaffee mit der Bullytouristin Anja an der Ruïne van Brederode.

Versorgt und abgeschweift

So etwas sieht man vermutlich nur in den Niederlanden

Ich hatte also eine willkommene Abwechslung und dieser sollte eine weitere gleich folgen, als ich eine junge Dame traf, die auf ihrem Fahrrad mit einem Pony an der Leine unterwegs war. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Das musste ich bildlich festhalten und fragte sie ganz freundlich.

Aber von den Ablenkungen meiner Reise, zurück zum Thema, um das es mir in diesem Beitrag geht: Philosophie auf dem Rad, von mir liebevoll Fahrradsattelphilosophie getauft. Der Begriff ist in mir im letzten Jahr auf meiner Fahrt zum Stonehenge eingefallen, auf den ich gerne immer wieder zurückgreife.

Eines meiner stärksten Argumente für das Radfahren ist die Zeit, die man mit sich allein verbringt. So entsteht viel Raum für unzählige Gedankengänge. Außerdem regt die Bewegung an, oder wie es ein Bekannter kürzlich am Telefon ausgedrückt hat:


„Es bringt das Blut in Wallung und sorgt für Sauerstoff in der Rübe.“

– Bernd

Das klingt für mich nach einer guten Sache.

Was ist ein Philosoph?

Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, mich als Philosoph ausgeben zu wollen, jedoch, ist nicht jeder Mensch irgendwie auch Philosoph?

Hier die Begriffsbezeichnung Philosoph: (griechisch φιλόσοφος philósophos „Freund der Weisheit“) oder sinngemäß Denker ist ein Mensch, der danach strebt, Antworten auf grundlegende (Sinn-)Fragen über die Welt, über den Menschen und dessen Verhältnis zu seiner Umwelt zu finden.

Na ja, vielleicht versucht nicht jeder alles zu ergründen, doch bei meinen Gesprächen auf der Radreise viel schon auch wieder auf, dass sich jeder auf seine eigene Weise mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Es ist vielleicht unser aller innerster Drang.

Philosophie der Reisenden

Im Moment ist es ja Trend, überall Zitate von berühmten Leuten zu teilen. Egal, ob auf den sozialen Kanälen, in Blogs und sogar die meisten Bücher kommen ohne sie kaum auf. Auffällig dabei empfinde ich, dass eben viele dieser viel zitierten Weisheiten Wahrnehmungen über das Leben, sich eben auch auf eine Reise übertragen lassen. Andererseits denke ich, ist es nicht vielmehr sogar anders herum?

Vielleicht inspiriert nicht die Reise zu klugen Weisheiten, sondern sie macht nur sichtbar, was wir im Leben schon gelernt haben. Warum sollten wir uns also nicht alle viel mehr Zeit dafür nehmen und lassen auf Reisen unseren inneren Philosophen frei?

Der Reisende sieht Dinge, die ihm unterwegs begegnen, der Tourist sieht das, was er sich vorgenommen hat zu sehen. 

G.K. Chesterton

Ich bin sicher, dass dabei eine ganze Menge entstehen kann, denn für mich hat auf der Reise vieles nur angefangen, dass nun, zurück im Wohnort, weitergeführt werden soll.

Reiselust

In Amsterdam traf ich auf einen wunderbaren Menschen, der mir einen Satz gesagt hat, der nicht weniger ungewöhnlich und beeindruckend ist, wie die Person. Ich spreche von Cees Van Soestbergen, einem Holzschnitzer und Schiffsbauer, den ich schon im Beitrag Reflexionen meiner Reise erwähnt habe.

Ich möchte ihn nochmal zitieren, weil ich das was er gesagt habe jedem wünsche.

„Ich habe nicht einen einzigen Tag in meinem Beruf bereut.“

Cees Van Soestbergen, Holzschnitzer und Schiffsbauer aus Amsterdam

Was kommen dir für Gedanken bei diesem Satz hoch? Nimm dir ruhig einen Moment Zeit dafür, bevor du weiter liest.

Die Frage und vielleicht auch die Philosophie für mich dahinter ist: Wie könnte das jeder erlangen?

Viele Menschen suchen stetig nach etwas Neuem, um sich dort entfalten können. Das ist im Berufsleben oft ähnlich, wie die Reisewütigen unter uns. Wir suchen nach den Orten, wo es besser ist, wo wir angekommen sein wollen. Dann soll endlich alles gut sein. Doch, was, wenn wir dort in diesem Augenblick schon alle sind?

Wir wandern, fahren, reisen nicht, um irgendwo angekommen zu sein, sondern tun es, um gemeinsam festzustellen, der Ort, den wir suchen ist kein Dorf, keine Stadt, keine bestimmte Gemeinde, sondern der ganze Planet, vielleicht sogar das ganze Universum.

Zitatparade

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.

Alexander von Humboldt

Ich mag Zitate anderer, aber ich merke immer wieder, dass Menschen nach Weisheit vor allem bei anderen Menschen, insbesondere bei ihren Idolen suchen, statt bei sich selbst. Doch letztlich findet sie jeder auf seiner eigenen Reise. Welche Weisheiten sind dir entsprungen?

Es gibt nur zwei Weisen die Welt zu betrachten: Entweder man glaubt, dass nichts auf der Welt ein Wunder sei, oder aber, dass es nichts als Wunder gibt. 

Albert Einstein

Auch wenn man nie die Welt bereist, das Leben als solches ist schon eine Reise und so gibt es auch dazu viele Zitate, das Folgende ist vom Musiker Billy Idol.

Das Leben ist eine Reise. Nimm nicht zu viel Gepäck mit. 

Billy Idol

Meine Fahrradreise habe ich vor allem wegen dem Wunsch langsam zu zu reisen, und natürlich gibt es auch dazu ein passendes Zitat, mit welchem ich den heutigen Beitrag abschließen möchte.

Erst eine gemächliche Reise ist eine Reise.

 Sprichwort aus Afrika

Schreibe mir doch einen Kommentar deine ganz persönliche eigene Reise-Weisheit.

♥lich Björn

Zusammenfassung zur Radfahrt am Tag 4 – Highlights

Zu jedem Reisetag gibt es einen kurzen Eintrag zur gefahrenen Strecke, zu weiteren Gesprächen, die im Beitrag nicht näher erläutert wurden und ist einfach ein Bonus.

  • Strecke des Tages ca. 140 km entlang Meijendel – Haarlem – Amsterdam
  • Morgens erst Schwimmen gegangen (da fällt mir ein, ich habe gar nicht erwähnt, dass ich das am dritten Tag auch schon gemacht habe)
  • Gemeinsame Tour mit Martin und Chris und Abschied
    • Kanäle Dünenlandschaft Coepelduynen Meijendel Park Nationaal Park Zuid – Kennemerland Wasserversorgung am Wegesrand – Empathie für Radfahrer – so etwas darf es gerne mehr geben (und jeder kann dazu beitragen)
  • Noch ein Kaffee mit Anja, an einem Zufallstreffpunkt
  • Begegnung mit Mirte und Zafira dem Pony
  • Amsterdam
    • Die Fahrradstadt – Empathie für Radfahrer
      • Wartezeit Anzeige an AmpelnKostenlose Fähre für RadfahrerKiss & Ride SchildGespräch mit Cees Van Soestbergen im Buurtboerderij ‘Ons Genoegen’ (Nachbarschaftsbauernhof ” Unser Vergnügen “), einem Ort für Achtsamkeit und Erholung
      • Wir sprachen über die Themen:
        • Wanderschaft Holzschnitzerei Balance zwischen physischer und Mentaler ArbeitNicht so schönes “Highlight”: Auf der Suche nach einem Platz zum Wildcampen hat es mich durch eine eigentlich schöne Gegend geführt, die aber von Viehzucht geprägt war. Dort traf ich mehrere Male auf verendende Rinder, die vereinzelt dort vorzufinden waren. Scheinbar dort zurückgelassen, da sie den Besitzern nichts mehr einbringen. In einem anderen Beitrag werde ich mich nochmal mit dem Thema separat beschäftigen. Übernachtung auf dem Zeltplatz
      • Ich hatte etwas Probleme an diesem Abend einen geeigneten Ort für eine Übernachtung zu finden Letztlich keinen geeigneten Ort zum Wild Campen gefunden und einem Zeltplatz aufgesucht Es war recht laut, überall Touristen. Immerhin, die Musik war teilweise ganz gut und ich war sowieso erschöpft genug, um schnell zu schlafen
Vorheriger Beitrag
Wofür lebst du?
Nächster Beitrag
Meditation Radfahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü