Was kann Empathie, und was nicht?

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Im letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, was meine Motivation ist, und warum ich eine Radreise machen will, die mit Empathie zu tun hat. Ich habe außerdem geschrieben, warum es mir wichtig ist, dass darüber mehr gesprochen wird.

Empathie allein ist aber kein Wundermittel, jedoch wird von vielen Verhaltenswissenschaftlern behauptet, dass Empathie eine der wichtigsten und gleichzeitig unterschätztesten Fähigkeiten ist. Erfahre in diesem Beitrag, warum das so ist, und schlüpfe mit mir in die Schuhe der Menschen, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen.

Vertrauen durch Empathie

Es gibt viele Menschen, die etwas Gutes in die Welt tragen wollen, aber weil das; was sie hinaustragen wollen im Moment nicht der common sense 1 ist, werden sie ausgegrenzt. Das führt zu Misstrauen und Unterstellungen, die eine trübe gesellschaftliche Atmosphäre schafft. Leider trägt wohl auch die Art wie wir als Gesellschaft leben oft nicht gerade dazu bei, dass wir versuchen; einander zu verstehen und so wird überall mit Schuldzuweisungen um sich geworfen, als wäre es nur eine harmlose Kissenschlacht. Doch Missverständnisse und kulturelle Unterschiede führen letztlich zu echten Kriegen, die Menschenleben kosten.

Kann es da nicht jemanden, oder etwas geben, das diese davon abhält Schaden zuzufügen? Kann Empathie daran etwas ändern?

Empathie für jeden! Ist das möglich?

Darf man denn für ein jeden Empathie haben? Wie sieht es bei Extremismus, Gewalttäter usw. aus? Darüber herrschen heftige Debatten. Insbesondere in sozialen Medien. Gegner dieser Überlegung sagen, dass es dafür nicht genügend Zeit dafür gäbe, oder nicht geduldet werden kann. Doch wenn es nicht “die Wahrheit” gibt, bedeutet das nicht, dass eine Diskussion über richtig und falsch nie enden wird und immer wieder neu debattiert wird?

Wer hat deiner Meinung nach Empathie verdient?

Eine interessante und kontroverse Debatte gibt es außerdem um den Empathie-Gap 2. Ist es überhaupt möglich, dass sich alle Menschen jemals auf einen gemeinsamen Nenner einigen können? Unwahrscheinlich, oder?
Doch wozu führen andererseits pauschale Ablehnungen? Vermutlich zu noch mehr Missvertrauen, Sicherheitskameras, neuen Grenzen, hohen Zäunen und Mauern. Zu noch mehr Separation und Generalverdacht.

Ist das eine lebenswerte Welt, die wir damit errichten, oder müssen wir uns nicht irgendwie eingestehen, dass wir uns nicht vor jedem Unglück schützen können und trotzdem Selbstvertrauen haben? Wir können uns jedoch dafür einsetzen auch diejenigen verstehen zu wollen, mit denen wir nicht übereinstimmen, auch wenn das vermutlich der schwierigste Weg ist.

Denkst du in richtig und falsch?

Wenn ich mir so manche (insbesondere politische) Diskussion ansehe, dann geht es scheinbar meistens nicht, darum eine Lösung zu finden, sondern so lange zu diskutieren, bis einer recht hat. Führt das jedoch zu zukunftsfähigen Lösungen?

Stell dir doch einmal vor, wie dein Leben aussehen könnte, wenn jeder Mensch alle deine Meinungen grundsätzlich erst einmal versucht, zu verstehen, bevor er etwas kommentiert oder dir antwortet? Wozu das Ganze? Weil es eben so etwas wie die Wahrheit gar nicht gibt, und somit auch kein ultimatives richtig und falsch.

Das heißt nicht, dass alles, was wir für falsch empfinden plötzlich richtig ist, oder anders herum. Stattdessen ist gemeint, was für richtig oder falsch gehalten wird, ist nicht unanfechtbar und somit dem stetigen Wandel der menschlichen Entwicklung untergeben. Doch was hat das mit Empathie zu tun? Empathie kann helfen, die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen.

Aber es gibt auch eine Kehrseite für empathische Menschen, denn es ist oftmals gar nicht einfach, sich in jemanden hineinzuversetzen, ohne die “Wahrheit” der anderen Person ohne Filter anzunehmen. Das kann zu sehr unerwünschten Folgen führen.

Durch die Augen eines Empathen

Wozu dient denn Empathie nun wirklich? Aus der Perspektive eines Menschen mit viel Empathie passt vieles zusammen, das anderen Menschen mit weniger Empathie nicht sehen. Es fällt ihnen auch schwer dies zu vermitteln, da die eigene Wahrnehmung auf unterschiedlichste Gefühle basiert, welche sich oft nicht leicht beschreiben lassen.

Menschen mit ausgeprägter Empathie verbindet eine wunderbare Fähigkeit. Sie sorgen in der Regel nicht dafür einen Streit zu entfachen, sondern versuchen diesen in der Regel zu vermeiden. Damit ist aber nicht zwingend gemeint, dass sie ihn grundsätzlich aus dem Weg gehen.

Empathische Menschen mit viel Erfahrung, können Streit auf einer wunderbaren Weise so beenden, dass am Ende jeder dabei gewinnt. Für viele utopisch, ich weiß, aber ist es deswegen gleich weniger erstrebenswert?

Empathie ist manchmal echt scheiße

Also brauchen wir nur Empathie und dann ist alles besser? Wenn das mal so einfach wäre. Es ist komplizierter, als du vielleicht glaubst, gerade wenn du mir bisher tendenziell zugestimmt hast und vielleicht kennst du deshalb Folgendes:

Zu viel Empathie kann das Leben zur Hölle machen: Zum Beispiel, weil man nur wenig bewirkt, alles berücksichtigen möchte, jedem gerecht werden möchte und es letztlich leider niemanden recht macht; vielleicht nicht einmal sich selbst.

Wenn man sich in jeden Menschen hineinversetzen will, kann das auch zur Lähmung führen. Im vielleicht schlimmsten Fall könnte man vor lauter Empathie sogar plötzlich neidvoll sein, weil man selbst zurückbleibt und zu sehr abhängig von anderen wird.

Lohnt sich dieser Aufwand dennoch?

Wandel durch Empathie

In Empathie steckt meiner Meinung nach eine Menge Energie, für mehr Gleichberechtigung und Frieden zu sorgen.

Wenn ich darüber nachdenke, dann habe ich oft folgende Gedanken dazu:

Seit unserer Geburt haben wir viele Meinungen gehabt. Wir haben uns Wissen angeeignet, aber auch Wissen verloren. Doch wie oft hinterfragen wir Wissen, statt es ungefiltert einfach so aufzunehmen?

Eine häufige Meinung, die so im Umlauf ist, ist, dass diejenigen, die mehr verdienen auch wertvollerer Arbeit nachgehen. Doch ist das so? Vielleicht stimmen noch Menschen verbal zu, dass es häufig nicht so ist, doch was zeigt sich im Handeln

Die Drecksarbeit sollen doch bitte andere machen und zu viel Geld soll es bitte dafür auch nicht geben, schließlich könnte die unqualifizierten Jobs ja jeder einfach machen. Aber dass jeder etwas tun kann, bedeutet nicht, dass jeder es gerne richtig macht, richtig? Findest du es wirklich in Ordnung, andere schlecht zu behandeln, nur weil es ihre Schuld ist? Ist es unser Recht auf solche Menschen zu beschuldigen und beschämen?

“Die Drecksarbeit sollen doch bitte andere machen.”

Sind verschiedene Arbeiten mit Geld überhaupt gegeneinander aufwiegbar?

Komm ins Gleichgewicht

Ich vermute, du hast vermutlich deine ganz eigenen Beispiele für ein Ungleichgewicht zwischen Leistung für eine Tätigkeit und dessen finanzieller Belohnung. Doch warum halten viele noch immer an einem Belohnungssystem fest, wo doch auch schon wissenschaftlich mehrfach nachgewiesen wurde, dass Belohnungssysteme nicht ausschlaggebend für Leistung sind. Da stellt sich die Frage:

Wie könnte eine Welt denn eigentlich aussehen, in der jeder Mensch, egal welcher Herkunft oder Profession den gleichen finanziellen Status haben könnte? Ein Anfang könnte sein, dass wir von dem Glauben abkommen, dass jemand mehr oder weniger “verdient” hätte.

Rutger Bregman hat in seinem Buch “Utopia For Realists” interessante Ansätze gefunden, was so passieren könnte wenn man es zumindest in die Richtung versuchen würde und erwähnte unter anderen folgende positive Aspekte in seinem Buch.

  • Platz für Einzigartigkeit und Individualität
  • Raum für Observation und Beobachtung
  • Zeit für Regeneration, Kunst und Selbstverwirklichung
  • Offenherzige Begegnungen
  • Durch eine empathische Herangehensweise liegt der Fokus nicht auf die Person, sondern ihr Anliegen
  • Wenn Menschen Advokaten für Empathie werden, dann gibt es keine Verlierer und alle fühlen sich besser

Empathie und trotzdem Verantwortung – durch Mitgefühl und Handeln

Empathie hat also viele Vorteile aber auch seine Grenzen. Das ist der Grund, warum uns Empathie alleine auch nicht hilft.

Sich für alles und jeden verständlich zu zeigen wirkt für viele, als würde man gar keine eigene Meinung haben. Es ist schließlich keine eigentliche Aktion, sondern eher mit dem Denken vergleichbar. Es hilft dabei eine Möglichkeit vor einer Handlung abwägen zu können. Nur über etwas nachzudenken, bedeutet allein aber nicht, dass das ausgedachte auch umgesetzt wird.

Zeit für eine Metapher

Nur im Empathiemodus zu bleiben, würde wie folgende Situation anssehen. Nehmen wir an, dass mein Schuh unbequem ist, weil er mir drückt. Ich sage das einem Schuhmacher, doch er betrachtet den Schuh überhaupt nicht und fühlt sich schrecklich wegen unserer Aussage. Er erzählt mir vielleicht sogar, dass Schuhe grundsätzlich drücken und es gibt keinen Schuh auf diesem Planeten, der nicht drücken würde. Das ist einfach so und man kann nichts dagegen tun.

Wiederum ein Schuhmacher, der die Unbequemlichkeit eines Schuhs schon im Vorhinein ablehnt, wird auch nicht dazu beitragen, das sich etwas zum Besseren ändert. Er kann sich gar nicht vorstellen, dass an einem Schuh irgendwas nicht in Ordnung sein soll.

Im Idealfall also, gibt es den Schuhmacher, der beides besitzt. Das Verständnis für die Unbequemlichkeit des Schuhs und die Fähigkeit, es auch ändern zu wollen. Er hat also Mitgefühl und handelt, sodass sich die Situation, die zwar nicht ihn widerfährt, aber für den Kunden ändert.

Lasst uns also alle solche “Schuhmacher” sein, die nicht nur feststellen, dass der Schuh drückt, sondern auch dafür sorgen dass er passt und sich drin zufrieden weiterlaufen lässt.

Lasst uns also alle solche “Schuhmacher” sein, die nicht nur feststellen, dass der Schuh drückt, sondern auch dafür sorgen dass er passt und sich drin zufrieden weiterlaufen lässt.

Empathie ist also ein Gefühl, dass wir alle empfinden können und das zu guten Taten führen kann, aber eben auch ins Gegenteil schlagen kann. Sie sollte weder unterschätzt noch überschätzt werden, damit ein gutes Miteinander gelingt.

Lass mich wissen, wie es währe in deinen Schuhen zu stecken und schreibe mir was dich bewegt und was du auf diesem Planeten bewegen möchtest.

Lebe sinnvoll

Björn

Weiterführende Informationen zum Thema

  • Erfahre in einem englischsprachigen Artikel mehr über Common Sense
  • Es gibt immer mehr Institutionen, die Empathie in Unternehmen als wichtigen Baustein integrieren wollen, wie zum Beispiel die Empathie Akademie in Berlin
  • Lies mehr darüber, was es mit dem Empathie Gap auf sich hat
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