Weihnachten ohne Geschenke

Das Fest der Sozialen (Lichter-) Ketten

Keiner will in der (Vor-) Weihnachtszeit Stress, du sicher auch nicht. Dennoch ist er jedes Jahr in aller Munde: der Weihnachtsstress. Lies hier wie ich neue Wege gefunden habe um den Wahnsinn zu entkommen.

Ich möchte aus dem Anlass, dass nur noch 11 Monate Zeit sind, bis vermutlich neuer Wahnsinn losgetrieben wird ein wenig reflektieren und ein paar Gedanken anregen. Vielleicht hast auch du ja Lust vorauszugehen, um einmal ein paar Dinge anders zu machen.

Denn es ist schon wieder ein Monat her, da stand man vermutlich an der Kasse, kurz vor den Feiertagen; eingereiht zwischen vielen Menschen, um wieder einmal ein paar Dinge zu holen, die vergessen wurden. Eigentlich versucht man den Supermarktbesuch um Weihnachten herum ja immer zu vermeiden, doch man ist halt mal wieder mittendrin gewesen. Nicht wahr?

Klassiker

Während man möglicherweise kurz vor Heilig Abend an einer Kasse stand und Menschen beobachtete und vermutlich gestresste Kassierer vielleicht entnervt Produkte per Hand in die Tasten prügelten, weil Barcodeleser die Etiketten nicht lesen wollten, fielen zwischen Menschen höchstwahrscheinlich bekannte Phrasen. Vielleicht in einer solchen Situation:

“Komm gut durch Weihnachten” sagt eine dickliche Dame, die irgendwie ein charmantes Lächeln hat. Ihr Kontrast gegenüber, ein ziemlich dürrer Typ mit langer Mähne erwidert: “Ich versuche es, hoffentlich hast du nicht zu viel Stress über die Feiertage.“

“Ich werde es schon überleben, ich muss noch einige Geschenke für die Familie kaufen. Ich habe keine Ahnung, was ich denen noch schenken soll.” antwortet sie mit ihrem immer noch netten lächeln.

Spreng die Ketten

Die Feiertage überleben und schenken sollen!? Sicher, oftmals ist das nur so daher gesagt, aber ein bisschen Wahrheit steckt letztlich hinter allen Aussagen, oder?

Es scheint, als wäre der Zauber von Weihnachten irgendwie großflächig ziemlich verpufft. Eigentlich war er in meinen Augen schon lange durchaus nebelig. Aber wo ich auch hinhöre, mit der Glückseligkeit, die man in Liedern und Geschichten hört, hat die Zeit um Weihnachten herum oft leider nichts zu tun.

Ich kann mich selbst an das Fest auch positiv erinnern, aber unterschwellig waberte der Nebel der Unzufriedenheit schon früher umher, vor allem wenn ich Zeuge der gestressten Gesichter der Menschen, die ich liebe war. Man muss ja schließlich.


„Man muss ja.“



Man kann sagen, dass sich der Stress in der Vorbereitung lohnt, und das mag auch durchaus situativ so sein. Wirklich besondere Dinge werden tatsächlich oftmals geschaffen, wenn man schwierige Zeiten übersteht und das Endresultat alle Beteiligten zufrieden stellt, oder gar aus den Socken haut.

Aber, wann hat dich das letzte Mal Weihnachten so richtig aus den Socken gehauen?

Erwartungsarbeiten

Ich habe selbst große Erlebnisse durch Stress noch gut aus der Arbeit in der Gastronomie in Erinnerung. Dort herrschte immer viel Anspannung, wenn ein größeres Ereignis vorbereitet wurde. Die professionelle Küche ist für ihren rauen Ton nicht ohne Grund bekannt. Da wird sich angegangen und verbal verkloppt bis die Suppe überkocht. Doch am Ende kommt die Erleichterung und man ist stolz auf die Leistung. Nun ja, leider nicht immer. Denn Erfolg wird nicht immer nur gemeinsam erarbeitet, sondern voneinander erwartet. Was aber, wenn der Druck der Erwartungen nie endet?

Bei den Geschenken ist das ja auch immer so eine Sache. Vielleicht kommt nicht die erhoffte, oder erwartete Reaktion des Beschenkten und es herrscht das Gefühl, dass es heutzutage keine Dankbarkeit mehr gibt. Doch wie soll man sich denn eigentlich noch richtig über etwas freuen, wenn man ständig stimuliert wird, etwas zu haben und diesem Reiz stetig in kurzer Zeit direkt nachgekommen wird?

Außerdem, warum hat man eigentlich die Erwartung Dankbarkeit zurück zu bekommen, wenn man doch aus Liebe etwas gibt? Dient das Geschenk dann doch nur der Liebesbestätigung oder als Bestechungsmittel, sodass sich der Beschenkte einem Gegenüber auch ja gut benimmt?

Nicht bei wenigen Eltern sitzt ja schließlich der Spruch im Kopf: Wenn du nicht artig bist, dann gibt’s nicht zu Weihnachten. Uff, was für eine Drohung.

Lass den Kram weg und behalte die wichtigste Zutat

Wozu der ganze Aufwand, wenn es am Ende ums Überleben geht und das Fest der Besinnlichkeit zum Stressproduzenten Nummer eins wird? Wozu das Fest der ultimativen Drohung? Sozusagen Ruhe und Besinnlichkeit auf Anordnung, aber lass es mit richtig schön viel Druck und Stress nicht zu einfach werden?

Ich feierte nunmehr das dritte Jahr Weihnachten ohne Geschenke. Naja, zum größten Teil klappt das schon, denn es ist gar nicht so einfach seine Mitmenschen davon zu überzeugen.

Warum zum Geier man sich Weihnachten ohne Geschenke wünscht?

Ein Fest, ohne Geschenke, ist ein Wunsch, dessen Erfüllung mir etwas bedeutet.

Beschenkt man mich mit etwas, das ich will, bringe ich mich nicht dann auch um das großartige Gefühl, mir etwas erarbeitet zu haben?

Wenn ich mit etwas gut Gemeintem beschenkt werde, dann lenkt es mich vielleicht ab und zieht mich in eine Richtung in die ich vielleicht gar nicht mehr will und wird zur unsichtbaren Fessel an ein Leben, dass schon Vergangenheit sein sollte.

Im schlimmsten Fall verkommt ein lieb gemeintes Geschenk zur Selbstbestätigung des Beschenkenden, ohne es zu bemerken. Nach dem Motto: “Lächeln und Winken.” Gut gemeint und schlecht umgesetzt. 6, setzen.

Gerade eine Situation aus meiner Kindheit bleibt mir in Erinnerung. Ich hatte ein Geschenk bekommen, bzw, noch schlimmer; ich habe durch meine gerissene Schwester (hust) schon vorab erfahren “dürfen”, was ich zu Weihnachten bekommen würde.

Ich war todunglücklich, weil das Geschenk nicht das war, was ich mir eigentlich gewünscht hätte. Ich habe mich richtig mies gefühlt. Teils aus Reue, jedoch noch mehr, weil ich etwas anderes Erwartet hatte. Meine Eltern wussten es nicht besser und ich war endlos enttäuscht, obwohl ich nie der typ Mensch war, der viel gefordert oder verlangt hat. In dem Moment fühlte ich mich wie der fürterlichste Mensch auf Erden.

Muss so etwas sein?

Geldschieberei?

Bleibt da die Sache mit dem Geld. Da erschließt sich mir der Sinn eigentlich noch weniger.

Wenn jeder Geld schenken würde und alle sich gleichbehandelt fühlen wollen, dann kriegt jeder letztlich doch nur das, was er schon hat, oder nicht?

Und wenn man Geld bekommt und selbst weniger zurückgibt, kann man sich vorstellen wie die Rollen verteilt sind. „Undankbarer Mensch“ vs. „Ich habe ein schlechtes Gewissen Mensch“.

Optimal klingt anders.

Außer-gewöhnlich

Nach drei Jahren Weihnachten ohne Geschenke mag ich ein Zwischenfazit wagen. Weihnachten ohne Geschenke ist keine Wunderheilung und auch nichts, was jeder machen muss, aber es kann unglaublich kraftvoll und Beziehungsbelebend sein, wenn man es mit Überzeugung angeht.

Es ist gar nicht so einfach, alle seine Mitmenschen ins Boot zu holen. Es ist gar nicht so einfach, keine Geschenke zu bekommen!!!

Das Zusammensein bleibt auf das Wesentliche beschränkt, nämlich gemeinsam Zeit verbringen und seinen Mitmenschen Beachtung schenken. Das lohnt sich letztlich immer und muss nicht auf die eigene Verwandschaft und dem bestehenden Freundeskreis berenzt werden.

Wie gehst du mit Geschenken um? Ist es eher deine Leidenschaft, oder Leidenslast? Schreib etwas in die Kommentare.

In diesem Sinne, habt euch lieb. Eurer Björn

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