Wo wächst eigentlich Selbstvertrauen?

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Fragst du dich manchmal, wie du selbstbewusster sein kannst? In diesem Beitrag teile ich eine Geschichte, die ich bei einer Bewerbung erlebt habe und erzähle dir davon, was Selbstvertrauen meiner Erfahrung nach ist und für was ich es nicht halte.

Eine Ode an Menschen im Hintergrund

Ich habe viele Jahre mit Menschen zusammengearbeitet, die so sehr damit beschäftigt waren, sich und ihre Fähigkeiten kleinzuhalten, weil sie von außen betrachtet kaum mehr in der Lage waren in ihrem Leben etwas zu ändern. Sie sahen und sehen sich als unbedeutenden Teil dieser Welt, der scheinbar keinen Unterschied auf diesem Planeten ausmacht. Dies waren junge Menschen, die erst gerade ihre Schul- oder Berufsabschlüsse hinter sich hatten. Es waren aber auch Menschen, die langjährig in ihren Berufen sind oder waren, enorm viel Erfahrung haben und in ihren Leben schon viel geleistet haben. Für diese Menschen habe ich eine wichtige Nachricht. IHR macht einen Unterschied und insbesondere euch ist dieser Blog gewidmet!

Theorie der sozialen Vergleichsprozesse

Da sitze ich gerade mit weiterem Bewerber/innen in einem Assessment Center für einen Job, für den ich mich auf Empfehlung wegen meiner verlässlichen und guten Arbeit beworben habe. Die Knie schlottern. Das Herz rast und ich fühle kalten Schweiß im Rücken und habe Angst, dass jemand dunkle Flecken an meinem Hemd erblickt. Die anderen um mich herum sehen genauso mitgenommen aus, wie ich mich fühle.

Bis auf einen. Mir fehlt die Erinnerung an seinen Namen, ich nenn ihn einfach Bernd. Als er den Raum betrat, hat er mit fast jedem die Hand geschüttelt und Fragen gestellt, bei der die Befragten, beim Versuch zu antworten, nur noch nervöser dreinblickten und danach mindestens fünf Zentimeter kleiner auf ihren Sitzplätzen zu scheinbar zu heiß gewaschenen halben Hemdchen zusammenschrumpften. Seine Aufzählung über seine auf mich beachtlich erscheinende Auflistung seiner Studium Historie hilft mir nicht gerade dabei, mich in der für mich unangenehmen Atmosphäre besser zu fühlen. Ich bin vermutlich weißer als die Raufasertapete des Warteraumes.

Die Panik steigt in mir immer höher und ich wünsch mir etwas…

Wunschkonzert

Es gibt etwas, das wünschen sich viele Menschen. Gleichzeitig fällt dasselbige oftmals schwer anderen zuzugestehen. Stattdessen bezeichnen wir sie dann häufig als arrogant.

Was ich meine ist: Selbstbewusstsein!

Wieviel Selbstbewusstsein braucht man eigentlich und warum ist es uns so wichtig? Warum wünschen wir es uns so oft und wie können wir dafür sorgen, damit wir die richtige Portion immer bei uns haben. Gar nicht so einfach zu beantwortende Fragen, wie ich finde.

Bin ich nämlich ehrlich zu mir selbst, dient der Satz: „Ich habe leider nicht genug Selbstbewusstsein“ oftmals als Vorwand, wenn ich mich mal wieder etwas nicht getraut habe. Zum Beispiel jemanden etwas zu fragen. Oder aber, wie eingangs in der Bewerbungssituation beschrieben, krieg ich einfach Gefühle nicht unter Kontrolle und traue mir etwas nicht zu. Egal ob berechtigt, oder eben nicht.

Warum wünschen wir uns so oft Selbstbewusstsein und schenken dem so viel Beachtung?

Es gibt unzählige Berichte, schlaue Ratschläge und Zitate zu diesem Thema; dennoch, den Wunsch, sein Selbstbewusstsein vergrößern zu wollen, obwohl wir vieles darüber wissen, hört man vielmals – und äußert man auch selbst nicht gerade selten, oder?

Ich möchte heute also nicht dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, sondern mache mich schriftlich auf die Reise dorthin, wo das Selbstbewusstsein wächst.

„Die Zuversicht, zu gefallen, ist häufig das unfehlbarste Mittel, zu missfallen.“

François VI. Duc de La Rochefoucauld

Betrachtung des Wortes Selbstbewusstsein

Mit minimalem Aufwand kann man schon ganz interessante Erkenntnisse im Internet bekommen und man stellt schnell fest, wenn man sich dessen nicht ohnehin schon bewusst ist, dass wir oft Wörter als Synonym nutzen, die eigentlich eine subtil andere Bedeutung haben. Das fällt einem auf, wenn man zum Beispiel die Worte auseinandernimmt oder mal nach der Bedeutung von Selbstbewusstsein googelt. So werden neben Selbstbewusstsein gleichermaßen die Worte Selbstwert oder gar Selbstvertrauen genutzt. Wie bewusst sind uns aber die Unterschiede dieser Worte im Alltag? Könnte dadurch gar die Gefahr bestehen, dass wir durch das fehlende Verständnis für die Unterschiede gar nicht die Chance haben unsere
Probleme damit zu lösen?

Kurze Erklärung

Allgemein wird Selbstbewusstsein laut WIKI (Das darf jetzt mal als Quelle herhalten, denn  ich will ja hier keine Doktorarbeit schreiben) als „das Überzeugt sein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“ definiert.

Wiki sagt ebenso, dass umgangssprachlich Selbstbewusstsein meist als positives Wertgefühl
einer Person oder einer Gruppe in einem sozialen Wertkontext verstanden wird. Selbstbewusstsein wird demnach oft als Synonym verwendet für den Begriff Selbstwert.

Als ich mir das Wort letztens bei einem Spaziergang im Regen nochmal durch den Kopf gehen lassen habe, ist mir wieder klar geworden, dass da noch mehr drinsteckt. Denn, wenn ich von Selbstbewusstsein rede, meine ich doch eigentlich nicht nur positive Gefühle, oder? Ich bin mir meiner selbst doch auch bewusst, wenn ich Schmerzen, oder anderes, vielleicht nicht so Angenehmes spüre. So wie bei meinem Spaziergang im Regen.

– Anfangs sind da die Tropfen, die ich auf der Haut auftreffen merke. Ich kann vielleicht
erspüren, ob es kleine feine Niesel-Tröpfchen sind oder eher große dicke Wassertropfen und nach einiger Zeit ist da spürbare Nässe in den Haaren und das ansteigende Gewicht meiner nasser werdenden Kleidung, die sich dunkler färbt. Ich nehme mich bewusst sehr war und werde wacher. Versuche mich der Situation zu öffnen und fokussiere das Bewusstsein auf meine Situation – nass im Regen – glücklich im Selbstbewusstsein – es gibt wirklich schlimmeres, als im Regen zu stehen und ich genieße den vitalisierenden Spaziergang.

Ziemlich selbstbewusst, wie ich finde. Macht es aber den gleichen Sinn, wenn ich sage
ich laufe selbstwertig im Regen? Hmm, klingt komisch, oder?

Selbstgespräche

Bei einem Bewerbungsgespräch könnte Selbstbewusstsein, wie vorhin beschrieben, also
eigentlich nur aussagen wie ich mich fühle. Ich nähere mich aber damit noch nicht der eigentlichen Problemlösung. Nämlich mit einschüchternden Situationen, wie ein gestandener Mann, besser zurecht zu kommen und (wie Bernd) ins Bewerbungsgespräch zu gehen. Jedenfalls nicht direkt. Ich kann damit aber zumindest meinen Gefühlen auf dem Grund gehen. Ich könnte anfangen mir Frageketten zu stellen wie:

Warum schlottern mir die Knie?

Weil ich nervös bin!

Warum bin ich nervös?

Weil ich glaube ich bin nicht so toll wie die anderen (insbesondere wie dieser Bernd)

Warum sollte ich nicht so gut sein wie Bernd?

Weil…Er so „Selbstbewusst“ auftritt!

Warum sollte er deswegen gleich besser sein als ich? Ich habe schließlich einiges vorzuweisen
und an Erfahrung, die mich unverwechselbar macht, oder?

Ja…aber er kann sicher alles besser als ich.

Kann er?

Ich weiß nicht.
Bestimmt, guck doch mal wie er sich gibt.

Kann es sein, dass er etwas überspielt?

Hmm…weiß nicht, glaub nicht.

Warum?

Ich weiß nicht, ich glaube er ist besser als ich.

Ist er?

Keine Ahnung!

Und du machst dir, weil du keine Ahnung hast fast in die Hosen?

…scheint so.

Wieso bist du hier?

Weil ich die Stelle toll fände.

Meinst du also seine Fähigkeiten sind also mehr wert als deine?

Abhilfe naht

Was könnte in dieser Situation hilfreich sein? Worum geht es gerade? In einem Bewerbungsgespräch geht es letztlich um Darstellung. Mit zittrigen Beinen, herabgesengtem Blick auf den Boden und wackeliger Stimme stelle ich nur eines dar…Jämmerlichkeit. Nicht die beste Darstellung. Ich bin mir doch aber etwas wert, oder? Ich habe mich doch nicht ohne Grund auf diese Stelle beworben und mit Freude die Einladung entgegengenommen. Was ist nur in mich gefahren? Konnte ich nur so falsch liegen?

Habe ich eigentlich nur Angst unwichtiger, als alle anderen hier in diesem Raum zu sein?
Habe ich Angst unwichtiger zu sein als andere? Glaube ich, ich bin weniger „wert“? Über diesen Weg bin ich nun vom Wunsch zu mehr Selbstbewusstsein zur Frage gekommen, was denn eigentlich mein Selbstwert ist.

Wer seinen Wert kennt, kann auch andere davon überzeugen.

Jeanett Langhof (*1974)

Wann fühlst du dich selbstbewusst und wann fällt es dir schwer? Wann nimmst Du dich bewusst wahr? Teile mit mir deine Gedanken und Erlebnisse dazu.

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