Wofür lebst du?

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Dies ist der dritte Artikel aus einer 21-teiligen Reihe zu meiner Radrundreise im August 2019. Für jeden einzelnen Tag picke ich mir ein Thema heraus, das mich beschäftigt hat, durch welches ich etwas gelernt, oder eine Erkenntnis gewonnen habe.

In diesem Beitrag geht es um außergewöhnliche Begegnungen, den eigenen Platz in der Welt und was du so mit deiner Zeit anfangen kannst.

Dazu habe ich mich mit vielen Fragen auf meiner Reise beschäftigt. Einige davon waren zum Beispiel die folgenden:

  • Was erfüllt mich?
  • Warum tut man viel zu selten das, was einem wichtig ist?
  • Wer sind die Menschen, mit denen ich mich am meisten umgeben sollte?
  • Wie schließt man die Lücke zwischen Wissen und Tun?

Am Ende des Beitrags findest du einen kleinen Tipp, falls du mal vorhast mit einer Fähre zu reisen.

Zurück zu den Wurzeln – weiter mit der Tour

An Tagen, wo Zeit Knapp scheint, man kaum das Haus verlässt und dann noch vor hat einen Blog-Beitrag vor dem Wochenende online zu stellen, kann es schon mal vorkommen, dass man sich fragt: Warum das eigentlich und für wen? Du kennst sicher ähnliche Situationen, oder?

Dabei habe ich mich wieder mit meinem Warum verbunden. Ich will auf Gehvoraus keinen weiteren Erklär-Blog schreiben, der die nächsten 10 besten Tricks zu jedem Thema, oder die 5 Dinge, die du tun musst, um reich und berühmt zu werden. Davon gibt es meiner Meinung genügend und ich glaube nicht, dass ich ganz sicher behaupten könnte die Wahrheit gepachtet zu haben. Doch warum sollte jemand sonst hier etwas lesen? Und warum will ich mir weiterhin den Aufwand machen hier zu schreiben?

Ich will vor allem Fragen stellen, die sich jeder selbst beantworten kann und mit denen sich jeder selbst beschäftigen kann, um sein eigenes Leben aus neuen Perspektiven zu sehen, während ich persönliche Geschichten teilen kann.

Wie zum Beispiel mein Treffen mit Martin aus Norwegen, den ich im letzten Monat in Harwich auf meiner Radrundreise kennengelernt habe. Ich erwähnte ihn schon im letzten Beitrag Für die Sache – Wie man sich nicht unwichtiger macht als nötig.

Die Geschichte verbindet mich damit, wofür ich meine Radreise begann und weshalb ich mich auf den Weg gemacht habe, um mir Gedanken zu Empathie, Wohltätigkeit und vielen weiteren Lebensthemen zu machen.

Es gibt immer jemand der krasser ist

Martin ist ein schroffer und gleichzeitig sympathischer Typ. Wir haben viele Gemeinsamkeiten in unseren Werten entdeckt. Mir viel auf, dass er scheinbar, in allem worüber wir redeten krasser, nicht nur in einigen Meinungen, auch in seinen Aktionen. Mit seinem Rad war er schon seit 6 Monaten unterwegs. Er hatte nur einen Bruchteil von dem an Gepäck, das ich für meine drei Wochen dabei hatte.

Doch woher will ich eindeutig wissen, dass er als Person generell krasser war als ich. Könnten nicht auch einige meiner Lebensentscheidungen aus seiner Sicht als „Krass“ empfunden sein? Warum urteile ich so einzig anhand von den wenigen Dingen, über die wir in der kurzen Zeit gesprochen haben und in denen er ganz eindeutig weitaus erfahrener war, einfach, weil es schon lange ein wichtiger Teil seines Lebens ist.

Das verdeutlichte mir wieder einmal, dass immer viele Realitäten gibt, jedoch jeder in seiner eigenen verharrt, es sei denn, man ist in der Lage sein Gegenüber mit genügend Empathie zu begegnen und sein eigenes Ego mal beiseitezulassen.

Gibt es nicht viele ähnliche Momente im Alltag, an denen wir etwas oder jemanden bewundern oder belächeln, ohne dabei zu beachten, dass dessen Hintergrundgeschichte eine völlig andere ist, als die der eigenen?

SUMMEN AV ALLE LASTER ER LIK

Zeit für ein bisschen Sprachunterricht und eine weitere Frage, die eine Radreise mit sich bringen kann. Am Abend vor der Fährüberfahrt von Harwich nach Hook of Holland als ich mit Martin gemeinsam bei allerlei energiereichen Snacks zusammensaßen, philosophierten über allerlei Dinge wie Umweltschutz, schlechte Gewohnheiten, oder wie man ein sinnvolles Leben gestaltet und man das Beste aus seinem Leben macht. Dabei hat er mir eine Redensart aus Norwegen erzählt:

Ein entspannter Tag auf der Fähre steht bevor

Summen av alle laster er lik.

Die Summe aller Lasten ist gleich – norwegisches Sprichwort

Es soll bedeuten, dass egal wie viel man in einem Lebensbereich richtig macht, alle schlechten Gewohnheiten zusammen sind immer gleich. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass schlechte Gewohnheiten oftmals schlechte Gewohnheiten ersetzen. An einer Stelle geben wir vielleicht eine schlechte Gewohnheit auf, etablieren aber woanders eine neue.

Gibt es also kein entrinnen davon ein „schlechter“ Mensch zu sein?

Womit verbringst du deine Zeit?

Wenn dem so wäre, womit kann, oder sollte ich denn folglich meine Zeit verbringen?

Wie würde die Welt denn aussehen, wenn ich mehr von dem tun würde, was ich gut finde, und viel entscheidender, wie würde mein eigenes Leben aussehen, wenn ich viel mehr von dem tun würde, dass ich wichtig finde?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen viel zu viel Zeit damit verbringen darüber zu klagen, was sie nicht gut finden, als eigentlich dafür etwas zu tun was sie gut finden. Dazu trage ich noch viel zu häufig ebenfalls bei. Zum Beispiel wenn ich darüber klagte, wie wenig „man“ heutzutage eigentlich mit seiner Nachbarschaft zu tun hat. Doch, wie viel habe ich dahingehend eigentlich beigetragen, dass das anders ist? Und kann ich nicht eigentlich dieser man(n) sein der das ändert?

Womit verbringst du deine Zeit?

KILLING TIME UNTIL LIFE IS KILLING YOU

Kürzlich sagte mir ein Freund am Telefon „Auf einer Radreise interessiert sich keiner für den Job. Zumindest nicht sofort.“, als wir uns über unsere Radreisen austauschten.

Das stimmt wirklich und viele Radfahrer sind sich dessen glaube ich bewusst. Als Radfahrer ist man Radfahrer und nicht Anwalt, Manager, Koch oder Friseur.

Auf der ganzen Reise lang reichte das Thema Radreise meistens schon als Gesprächsinspiration aus. Nur selten ging es um das was man tun „muss“, sondern um Träume, Wünsche und Hoffnungen.

Deshalb weiß ich, dass ich auch weiterhin reisen werde, um weiter Träumen zu folgen, meine Hoffnung zu füttern und um mir Wünsche zu erfüllen. Aber eines ist mir auch klar, ich warte dafür nicht ausschließlich bis zur nächsten Radreise. Kann ich nämlich nicht auch jeden Tag die Möglichkeit ergreifen, um fremde Menschen anzusprechen, oder um Hilfe bitten, wenn ich sie benötige?

Zusammenfassung zur Radfahrt am Tag 3 – Highlights

Rundumversorgung bei der Ankunft in der Niederlande – DANKE Anja

Zu jedem Reisetag gibt es einen kurzen Eintrag zur gefahrenen Strecke, zu weiteren Gesprächen, die im Beitrag nicht näher erläutert wurden und ist einfach ein Bonus.

  • (Nur) 30 km mit dem Fahrrad gefahren Harwich – Meijendel
  • Gespräche:
    • Austausch in einer Radfahrer-Gemeinde vor der Fähre
    • Familie aus Deutschland, die in England lebte und mit Fahrrädern wieder zurück nach Deutschland unterwegs war
    • Kaffee von Anja nach der Fähre
    • Unterhaltung mit Asahi, einem Youtuber aus Japan, der für mehrere Monate mit Fahrrad und Instrument durch Europa reist  
  • Empfang in Holland von Anja (vom tollen Reiseblog bullitour.com) in Holland mit einem Kaffee
  • Eine weitere Übernachtung am Strand in bei wundervollem Sonnenuntergang
  • Ein nicht ganz so erfreuliches Highlight war eine Teure Telefonrechnung wegen automatischem Roaming auf der Fähre, immerhin konnte ich einen Discount aushandeln, indem ich mich freundlich, empathisch und unwissend bei meinem Telefonanbieter zeigte

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